Zurück

Der Nexus von Gesundheit und Energie: Off-Grid Systeme und ihr Potential für die Gesundheitsversorgung Sub-Sahara Afrikas

Zugang zu Elektrizität

2019 waren weltweit 770 Millionen Menschen ohne Zugang zu Elektrizität1 und somit ohne Möglichkeit in der Nacht elektrisches Licht zu nutzen, einen Kühlschrank oder Herd anzuschließen oder ihre Handys zu laden. Bis 2019 gab es einen Rücklauf der Zahlen, doch die Covid-19 Pandemie führte zu einer Umkehr des Trends. In ihrem World Energy Outlook Report 2021 schätzt die Internationale Energieagentur (IEA), dass seit Beginn der Pandemie die Zahl der Menschen ohne Zugang zu Elektrizität auf Vorkrisenniveau stagniert – nachdem es seit 2015 eine jährliche Verbesserung von durchschnittlich 9% gab.2 In Sub-Sahara Afrika (SSA) wird davon ausgegangen, dass die Zahlen sogar das erste Mal seit 2013 im Jahr 2020 wieder gestiegen sind.

Die SDGs und Energie

2015 wurde die Agenda 2030 von allen 193 UN-Mitgliedsstaaten angenommen. Die Agenda definiert 17 Ziele für eine nachhaltige Transformation unserer Welt – die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs). Die SDGs zeigen den großen Handlungsbedarf auf, der zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensumstände von Millionen von Menschen weltweit bei gleichzeitigem Schutz unseres Planeten nötig ist. Eines der Ziele ist SDG 7, welches darauf abzielt, den „Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle [zu] sichern“3. Um das Ziel bis 2030 zu erreichen, müssen jährlich 100 Millionen Menschen Zugang zu Elektrizität erhalten. Laut IEA ist hierfür ein massiver Entwicklungsschub und jährlich 25 Milliarden US-Dollar an Investitionen nötig4. Während die Asiatischen Länder – allen voran Indien – auf einem guten Weg sind, das Ziel einer universellen Energieversorgung zu erreichen, ist die Prognose für SSA deutlich schlechter. Die IEA geht davon aus, dass hier nur eine Zugangsrate von 60% bis 2030 erreicht wird.

Die SDGs und Gesundheit

Während die Pandemie zu einer Stagnation der Fortschritte in Bezug auf SDG 7 führte,5 steht ein weiteres nachhaltiges Entwicklungsziel im Fokus: SDG 3. SDG 3 fordert dazu auf, „ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters [zu] gewährleisten und ihr Wohlergehen [zu] fördern“.6 Weltweit herrscht große Ungleichheit bezüglich Gesundheitsstatus und Zugang zu Gesundheitsversorgung. So ist die Lebenserwartung für Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen bei durchschnittlich 63 Jahren, während sie in Ländern mit hohem Einkommen bei 80 Jahren liegt.7

Der Ausbruch der Covid-19 Pandemie zeigt deutlich auf, wie dringend SDG 3 erreicht werden muss. Darüber hinaus wird die immer engere Verflechtung unserer Welt aber auch die Gesundheitsungleichheit – beispielsweise bei der globalen Impfstoffverteilung – eindringlich hervorgehoben. Zusätzlich unterstreicht es die Notwendigkeit einer guten Infrastruktur im Gesundheitswesen, um allen Menschen eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Ein wichtiger Teil dieser Infrastruktur ist Elektrizität. UN Development schätzt, dass in SSA 25% der Gesundheitseinrichtungen ohne Zugang zu Elektrizität sind während weitere 28% regelmäßige Stromausfälle zu beklagen haben.8 Besonders in ländlichen Regionen haben Gesundheitseinrichtungen oftmals keine stabile Energieversorgung.

Off-Grid Systeme

Der Anschluss von Gesundheitseinrichtungen im ländlichen Raum an das staatliche Stromnetz benötigt Investition – oftmals zu groß für Entwicklungsländer. Viele Initiativen und Forschungsprojekte versuchen daher, den Zugang zu Elektrizität durch die Installation von Off-Grid Systemen zu verbessern und somit eine kostengünstigere Alternative zu etablieren. Aber was sind Off-Grid Systeme? Diese sind nicht an das nationale Elektrizitätsnetz angeschlossen, sondern bilden eigenständige Systeme, die Strom über Solarenergie oder Windenergie erzeugen.9 Die gewonnene Energie wird entweder direkt zum Verbraucher transportiert oder in Batterien gespeichert, um eine Stromversorgung auch bei Bewölkung, Dunkelheit, oder Windstille zu gewährleisten. In SSA sind einzelne Photovoltaik-Solarmodule ein inzwischen häufiges Bild im ländlichen Raum, aber auch größere Systeme werden zunehmend installiert. Diese Systeme können mehrere Solarmodule, einen größeren Batteriespeicher und einen Diesel-Stromgenerator als Backup umfassen, um auch größere Einrichtungen verlässlich mit Strom zu versorgen.

Der Zusammenhang von Elektrizität und Gesundheitsversorgung

Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Zugang zu sauberer, günstiger und zuverlässiger Energie ein wichtiger Baustein, um eine allgemeine Gesundheitsversorgung weltweit zu erreichen.10 Doch wie bereits beschrieben, ist in vielen Entwicklungsländern der Zugang zu moderner Energieversorgung weiterhin eingeschränkt – besonders in ländlichen Regionen oder für abgelegene Inseln und Archipele. In diesem Zusammenhang werden Off-Grid Systeme immer mehr zu einem potenziellen Wendepunkt – auch für die Gesundheitsversorgung. Diese Systeme sind in der Lage, sowohl den Zugang als auch die Qualität der Gesundheitsversorgung nachhaltig zu stärken.

Zum Beispiel kann die erzeugte Energie für elektrisches Licht genutzt werden und somit auch in der Nacht eine Versorgung der Patient*innen ermöglich. Elektrizitätserzeugung durch Off-Grid Systeme kann ebenfalls für den Betrieb von moderner medizinischer Ausstattung für die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen genutzt werden. Auch essenzielle medizinische Produkte wie Impfdosen, Blutkonserven sowie Medikamente können gekühlt gelagert werden und somit ihre Haltbarkeit gewährleistet sein. Eine stabile Energieversorgung ist ebenso wichtig für die Sterilisierung und Desinfizierung von medizinischen Instrumenten und für eine sichere Entsorgung von medizinischen Abfällen. Die Stromerzeugung durch Off-Grid Systeme ist darüber hinaus ein wichtiger Faktor für die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, die für die Gesundheitseinrichtungen im ländlichen Raum eine wichtige Rolle spielt – sowohl bei der Versorgung von Patient*innen, aber auch als Motivation für die Beschäftigten.

Auch wenn das Potenzial von Off-Grid Systemen für die Gesundheitsversorgung groß ist, kann die Hürde der notwendigen Startinvestitionen, die durch die Betreiber der Einrichtungen nötig sind, als zu hoch wahrgenommen werden. Doch es gibt eine Reihe von Beispielen, die die Vorzüge solcher Anlagen aufzeigen und dabei helfen können, Zweifel oder Zögern entgegenzuwirken. Ein Beispiel ist das EnerSHelF Projekt, welches das Potenzial von Off-Grid Systeme für eine stabile und zuverlässige Energieversorgung von Gesundheitseinrichtung im Kontext von Entwicklungsländern aufzeigen soll.

Das EnerSHeLF Projekt: Evidenz zur Entscheidungsfindung

Die Forschung im EnerSHelF (Energy Self-sufficiency for Healthcare Facilities in Ghana) Projekt möchte zum Erreichen von SDG 3 und SDG 7 beitragen. Hierfür wird sowohl an der Entwicklung von kontextsensitiven nachhaltigen Energielösungen für Gesundheitseinrichtungen in Ghana geforscht als auch an der Zuverlässigkeit von netzunabhängigen Photovoltaik-Hybrid Energiesystemen.

Das Projekt setzt sich aus einem interdisziplinären Team von ghanaischen und deutschen Forscher*innen verschiedener Disziplinen zusammen. Bei EnerSHelF arbeiten Ingenieur*innen, Metereolog*innen, Ökonom*innen und Sozialwissenschaftler*innen gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft zusammen. Durch die enge Zusammenarbeit und interdisziplinäre Ausrichtung schafft das Projekt evidenzbasierte Einblicke in das Potenzial von Off-Grid Systemen für die Gesundheitsversorgung in Ghana. Das Vorhaben berücksichtigt dabei sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Einflussfaktoren. Zusätzlich werden Politikempfehlungen zur Stärkung von staatlichen Steuerungsstrukturen im Energie- und Gesundheitssektor entwickelt, die Förderung des Einsatzes von Solar-Photovoltaik im Gesundheitssektor gestärkt, sowie eine Strategie zur Integration solcher Systeme in lokale Energiesysteme entwickelt. So werden die Ergebnisse in die Praxis überführt und können zu Entscheidungsprozessen und besseren Gesundheitsversorgung in SSA beitragen.

 

1 International Energy Agency: https://www.iea.org/reports/sdg7-data-and-projections/access-to-electricity

2 International Energy Agency: https://www.iea.org/reports/world-energy-outlook-2021

3 UNIRIC – Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: https://unric.org/de/17ziele/sdg-7/

4 International Energy Agency: https://www.iea.org/reports/world-energy-outlook-2021

5 International Energy Agency: https://www.iea.org/topics/energy-access

6 UNIRIC – Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: https://unric.org/de/17ziele/sdg-3/

7 World Bank Development Indicators: https://databank.worldbank.org/source/health-nutrition-and-population-statistics

8 United Nations Development Programme: https://undp-climate.exposure.co/3-ways-solar-energy-powers-the-fight-against-covid19

9 Renewables in Africa: On-Grid vs Off-Grid: What is the difference? https://www.renewablesinafrica.com/on-grid-vs-off-grid-what-is-the-difference/

10 WHO (2014). Access to modern energy services for health facilities in resource-constrained settings: a review of status, significance, challenges and measurement. Geneva: World Health Organization.

 

Verfasser

Callistus Agbaam, PhD Student an der Ruhr-Universität Bochum und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Internationalen Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Jonas Bauhof, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Internationalen Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Tu Du's

Wechsel noch heute zu einem Öko­strom­anbieter.

Beteilige dich an Crowd­sourcing-Aktionen.

Unterstütze eine öko­logische Land­wirt­schaft, sie schont die Böden.

Setze dich für den barriere­freien Aus­bau von allen öffent­lichen Insti­tu­tionen ein.

Melde dich als freiwilliger Vorleser beim Netzwerk „Vorlesen".

Nutze Splitt statt Streusalz, das ist gesünder für Pflanzen und Tiere.

Hinter­frage Rollen­bilder und rege Dis­kus­sionen dazu in deinem Um­feld an.

Repariere einen tropfenden Wasser­hahn oder un­dichten Spülkasten.

Entscheide dich für Frei­willigen­arbeit, z.B. als Sprach­lehrerin oder Sprach­lehrer.

Gehe Blut spenden.

Kaufe nur Lebens­mit­tel, die du auch auf­brau­chen kannst.

Hinter­frage deine Kon­sum­gewohn­heiten. Brauchst du dieses Produkt wirklich?

Achte beim Einkauf auf biolo­gisch und nach­haltig erzeugte Produkte.

Biete deine Hilfe an, z.B. wenn du Ob­dach­lose bei Kälte siehst.

Kaufe Lebens­mittel für Be­dürf­tige, viele Super­märkte machen regel­mässige Aktionen.

Fahre mehr Bahn, so verur­sachst du weniger Smog und weniger Lärm.

Unterschreibe Petitionen, die nicht-nach­haltige Stadt­entwick­lungs­projekte stoppen.

Verzichte auf Plastik­tüten und nimm einen Stoff-Beutel mit zum Einkaufen.

Informiere dich über deine Rechte und die von anderen.

Organisiere Stadt­entwicklungs­wettbewerbe.

Gib Sprach- und Integrations­kurse.

Kaufe regionale Produkte.

Gehe wählen.

Unterstütze Projekte, die sich gegen Genital­verstüm­melung einsetzen.

Kaufe nur Fisch­arten, die nicht durch Über­fischung bedroht sind.

Spende alte Lehrbücher oder Bücher.

Führe einen Stromspar-Tag ein.

Fordere öffentliche Insti­tu­tionen wie Uni­ver­sitä­ten und Bi­blio­the­ken auf, jedem einen Internet­zugang zu ermöglichen.

Iss öfter vegetarisch und redu­ziere deinen Fleisch­konsum.

Unterstütze Unternehmen, die auf Inklusion setzen.

Kaufe weniger Produkte, die lange Liefer­wege oder Kühl­ketten haben.

Rette Lebens­mittel und beuge Lebens­mittel­ver­schwen­dung vor.

Organisiere und engagiere dich z.B. in Gewerk­schaften.

Gieße deine Pflanzen mit Regen­wasser.

Mache Druck bei Politikern.

Nimm öfter das Fahrrad statt das Auto. Für deine Gesund­heit und das Klima.

Tritt für bessere Bezahlung von Pflege­kräften ein.

Pflanze Bäume und Pflanzen, die die Luft filtern.

Nutze Einkaufs­rat­geber und verzichte auf Mikro­plastik.

Spare Strom, indem du den Stecker bei Produkten ziehst, die du nicht benutzt.

Unterstütze Organi­sationen, deren Ziel sauberes Wasser für alle ist.

Überlege, welche Erfindung deine Stadt besser machen würde.

Nimm die Treppe anstatt den Fahrstuhl oder die Rolltreppen

Richte Nist­möglich­keiten für Vögel ein.

Erzähle jedem von den 17 Zielen.

Werde Förder­mitglied bei Orga­nisa­tionen, die sich für die 17 Ziele einsetzen.

Spende alte Fahrräder.

Informiere dich über Produk­tions­beding­ungen und ent­scheide dich für faire Unter­nehmen.

Wechsel noch heute zu einem Öko­strom­anbieter.

Beteilige dich an Crowd­sourcing-Aktionen.

Unterstütze eine öko­logische Land­wirt­schaft, sie schont die Böden.

Setze dich für den barriere­freien Aus­bau von allen öffent­lichen Insti­tu­tionen ein.

Melde dich als freiwilliger Vorleser beim Netzwerk „Vorlesen".

Nutze Splitt statt Streusalz, das ist gesünder für Pflanzen und Tiere.

Hinter­frage Rollen­bilder und rege Dis­kus­sionen dazu in deinem Um­feld an.

Repariere einen tropfenden Wasser­hahn oder un­dichten Spülkasten.

Entscheide dich für Frei­willigen­arbeit, z.B. als Sprach­lehrerin oder Sprach­lehrer.

Gehe Blut spenden.

Kaufe nur Lebens­mit­tel, die du auch auf­brau­chen kannst.

Hinter­frage deine Kon­sum­gewohn­heiten. Brauchst du dieses Produkt wirklich?

Achte beim Einkauf auf biolo­gisch und nach­haltig erzeugte Produkte.

Biete deine Hilfe an, z.B. wenn du Ob­dach­lose bei Kälte siehst.

Kaufe Lebens­mittel für Be­dürf­tige, viele Super­märkte machen regel­mässige Aktionen.

Fahre mehr Bahn, so verur­sachst du weniger Smog und weniger Lärm.

Unterschreibe Petitionen, die nicht-nach­haltige Stadt­entwick­lungs­projekte stoppen.

Verzichte auf Plastik­tüten und nimm einen Stoff-Beutel mit zum Einkaufen.

Informiere dich über deine Rechte und die von anderen.

Organisiere Stadt­entwicklungs­wettbewerbe.

Gib Sprach- und Integrations­kurse.

Kaufe regionale Produkte.

Gehe wählen.

Unterstütze Projekte, die sich gegen Genital­verstüm­melung einsetzen.

Kaufe nur Fisch­arten, die nicht durch Über­fischung bedroht sind.

Spende alte Lehrbücher oder Bücher.

Führe einen Stromspar-Tag ein.

Fordere öffentliche Insti­tu­tionen wie Uni­ver­sitä­ten und Bi­blio­the­ken auf, jedem einen Internet­zugang zu ermöglichen.

Iss öfter vegetarisch und redu­ziere deinen Fleisch­konsum.

Unterstütze Unternehmen, die auf Inklusion setzen.

Kaufe weniger Produkte, die lange Liefer­wege oder Kühl­ketten haben.

Rette Lebens­mittel und beuge Lebens­mittel­ver­schwen­dung vor.

Organisiere und engagiere dich z.B. in Gewerk­schaften.

Gieße deine Pflanzen mit Regen­wasser.

Mache Druck bei Politikern.

Nimm öfter das Fahrrad statt das Auto. Für deine Gesund­heit und das Klima.

Tritt für bessere Bezahlung von Pflege­kräften ein.

Pflanze Bäume und Pflanzen, die die Luft filtern.

Nutze Einkaufs­rat­geber und verzichte auf Mikro­plastik.

Spare Strom, indem du den Stecker bei Produkten ziehst, die du nicht benutzt.

Unterstütze Organi­sationen, deren Ziel sauberes Wasser für alle ist.

Überlege, welche Erfindung deine Stadt besser machen würde.

Nimm die Treppe anstatt den Fahrstuhl oder die Rolltreppen

Richte Nist­möglich­keiten für Vögel ein.

Erzähle jedem von den 17 Zielen.

Werde Förder­mitglied bei Orga­nisa­tionen, die sich für die 17 Ziele einsetzen.

Spende alte Fahrräder.

Informiere dich über Produk­tions­beding­ungen und ent­scheide dich für faire Unter­nehmen.