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Hier kommt ODA-Man, der Anime-Held, der Japans Entwicklungshilfe erklärt!

Mit diesem ungewöhnlichen und witzigen Botschafter erreichen Japans Entwicklungshilfeorganisationen ein neues Publikum.

Offizielle Verlautbarungen von Regierungen sind oft trocken, und wenn Entwicklungshilfe erklärt wird, wirkt das manchmal belehrend oder sogar herablassend. Wie können wir am besten ein Publikum erreichen, das noch wenig über nachhaltige Entwicklung und internationale Zusammenarbeit weiß? Können wir unsere Botschaften unterhaltsamer gestalten? Auftritt „ODA-Man“.
Alles begann mit einer Pressekonferenz im Jahr 2018, als Japans damaliger Außenminister Taro Kono einen beliebten Anime-Helden „beauftragte“, die Bürger über Japans Entwicklungshilfe (Official Development Assistance = ODA) zu informieren. Und so begann „Yoshida-kun“ aus der Serie „Eagle Talon“ seine zweite Karriere als „ODA-Man“.
Die neue Rolle passt gut zu ihm. In der ursprünglichen Anime-Serie ist Yoshida-kun Mitglied einer Geheimorganisation, die die Weltherrschaft übernehmen will. Leider lässt er alle Eigenschaften vermissen, die einen Superschurken auszeichnen: Er ist gutherzig und naiv, sodass er die Pläne der Gruppe oft vereitelt, ohne es zu wollen. Als „ODA-Man“ steht er fest auf der Seite der Guten!
„GO! ODA-Man“ ist eine Serie aus kurzen Videos, in denen ODA-Man, ausgerüstet mit Tropenhelm und Schaufel, die Zuschauer ins Ausland an Orte führt, wo das japanische Außenministerium Entwicklungsprojekte betreibt. Auf seine eigentümliche drollige Weise erklärt er, was dort getan wird, und warum. Die Geschichten berühren eine weite Spanne von Themen, vom Kampf gegen Piraterie in Südostasien bis zu naturwissenschaftlichem Unterricht in Kenia. Obwohl er offensichtlich gerne doziert, wirkt er nicht oberlehrerhaft – dazu ist er zu kindlich und zu unbeholfen.
Zu Anfang wurden die Folgen der Serie im Fernsehen ausgestrahlt. Später begann das Ministerium, die Filme im Internet zu verbreiten: ODA-Man ist ein häufiger Gast auf dem YouTube-Channel des Außenministeriums; auch auf den Twitter- und Facebook-Kanälen japanischer Entwicklungshilfeorganisationen und Auslandsvertretungen tritt er regelmäßig auf.
Die Videos sind das Herzstück der Kampagne; ODA-Man ist aber auch an vielen anderen Orten zu finden. Das Ministerium lässt einen Schauspieler im ODA-Man-Kostüm im Land umherreisen. Er war schon in Schulen, Universitäten, Museen und auf der „Global Festa Japan“, einem Informationsevent zu Themen internationaler Zusammenarbeit und Entwicklung. ODA-Man ist auch der Held einer Manga-Broschüre, und er hat es auf die Visitenkarten hoher Ministerialbeamter geschafft, sogar auf die des Außenministers!

Das Maskottchen der japanischen Entwicklungszusammenarbeit, der ODA-Man

In der japanischen Gesellschaft ist das Bewusstsein für den Wert von Entwicklungshilfe traditionell niedrig ausgeprägt. In einer im Auftrag des Außenministeriums durchgeführten Umfrage sprachen sich noch 2004 beinahe 30% der Befragten dafür aus, Entwicklungshilfe zurückzufahren oder ganz zu streichen. In einer ähnlichen Erhebung von 2020 war diese Zahl beinahe bis auf 10% gefallen.
Die gestiegene Zustimmung zum Konzept der Entwicklungshilfe könnte einer Entscheidung der Regierung zuzuschreiben sein, die Schärfung des gesellschaftlichen Bewusstseins zu einem ausdrücklichen politischen Ziel zu machen. In ihrem letzten Freiwilligen Nationalen Bericht an die UN über die Umsetzung der Ziele nachhaltiger Entwicklung von 2017 erklärt die Regierung das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu einer Priorität. Im Weißbuch zur Entwicklungszusammenarbeit von 2019 hält das Außenministerium seine Absicht fest, „Inhalte zu schaffen, die diejenigen, die sich nicht für Entwicklungshilfe interessieren, und allgemein Menschen aller Altersgruppen, dazu ermuntern, etwas über Entwicklungshilfe zu lernen und dabei Spaß zu haben.“
Bei der Vorstellung, eine Trickfilmfigur zu benutzen, um seriöse Ideen und Botschaften zu vermitteln, runzeln in anderen Ländern manche vielleicht kritisch die Stirn. In Japan ist dies aber kein Thema. Anime und Manga gehören zu Japans kulturellem Erbe und sind bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt.
Japans Entwicklungshilfeorganisation JICA setzt Manga für zahlreiche Zwecke ein; zum Beispiel um Informationen über Projekte zu verbreiten (etwa eine Schule für blinde Kinder in Ghana oder eine Berufsausbildung für Frauen in Nepal), oder um in Indien Tipps zum richtigen Händewaschen zu geben.
Wenn Sie also mehr Menschen erreichen wollen, dann wählen Sie ein populäres Medium. In Japan mögen das Anime und Manga sein, in anderen Gesellschaften kann es andere kulturelle Anknüpfungspunkte für ein Gespräch über Entwicklung geben (siehe z.B. unseren Bericht über die „Save Tropical House“-Kampagne in Norwegen).
Wenn Kommunikatoren sich für diesen Weg entscheiden, müssen sie dem gewählten Format treu bleiben. Das Publikum nimmt es nicht gut auf, wenn politische Botschaften ein beliebtes Format verzerren. Selbst wenn er über ein Thema wie die Not im Japan der Nachkriegszeit spricht, bleibt ODA-Man doch immer der lustige, schrullige Charakter, als den ihn die Fans kennen. So ist er immer authentisch: ein glaubhafter Botschafter, der die im Entwicklungsweißbuch gesetzte Aufgabe zu erfüllen hilft, „komplizierte Dinge verständlicher zu machen“.

 

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von Engagement Global - #17Ziele

Bringen Bürger*innenräte mehr Nachhaltigkeit in die Politik?

Klimaschutz zur Priorität machen, Lebensmittel nachhaltiger produzieren, mehr Geld für die Entwicklungszusammenarbeit ausgeben und ein Nachhaltigkeitsministerium gründen: So lauten vier von 32 Vorschlägen des Bürger*innenrats „Deutschlands Rolle in der Welt“. Am 19. März 2021 hat der Bundestag das Gutachten des ersten deutschen Bürger*innenrats entgegengenommen. In ihm haben 154 zufällig ausgewählte Bürger*innen zusammen diskutiert und Empfehlungen erarbeitet, darunter 29 in der Altersgruppe von 16-25. Der nächste Bürger*innenrat läuft bereits. Informiert, diskutiert und abgewogen wird dieses Mal zur Frage, „wie wir in Deutschland im Einklang mit den Pariser Klimazielen leben wollen“. Die Empfehlungen der Bürger*innen dürfen mit Spannung erwartet werden. Sie könnten den Parteien vor der Bundestagswahl noch einen entscheidenden Impuls in Richtung Schutz unserer Lebensgrundlagen geben.

Bürger*innenräte als Querschnitt der Gesellschaft

Bürger*innenräte versprechen, Politikverdrossenheit abzubauen und mutige Lösungsansätze für gesellschaftlich umstrittene Themen zu fördern. Das Besondere: Es kommen per Los bestimmte Menschen zusammen, die die Zusammensetzung der Gesellschaft „in Klein“ abbilden sollen, z.B. hinsichtlich Geschlechterverteilung, Bildung, Wohnort und Alter. Das Gremium ist somit inklusiver und viel diverser als beispielsweise der Bundestag. Durch dieses Auswahlverfahren ist auch sichergestellt, dass mehr junge Menschen in den Räten sitzen als z.B. aktuell im Bundestag oder anderen politischen Gremien. Somit bieten sie auch eine Verbesserung und eine Chance für den politischen Einfluss junger Menschen. Außerdem haben die Mitglieder der Räte weder Wähler*innen noch ein Parteiprogramm oder Lobbyinteressen im Nacken. Dadurch können sie unbefangener und auf Augenhöhe über politische Fragen diskutieren. Neben dem gemeinsamen Lernen kann dabei ein wertschätzender, persönlicher und dennoch sachorientierter Austausch nach dem Prinzip der Deliberation stattfinden: Am Ende soll das beste Argument überzeugen und nicht die lauteste Stimme oder das bestorganisierte Interesse. Allein deshalb sind Bürger*innenräte eine sinnvolle Ergänzung unserer Demokratie und kamen bereits in zahlreichen Ländern wie z.B. Irland, Frankreich und Großbritannien sowie auf verschiedenen politischen Ebenen zum Einsatz. Konkret können Bürger*innenräte wertvolle inhaltliche Impulse setzen, wie die Empfehlungen des Bürger*innenrats „Deutschlands Rolle in der Welt“ zum Thema Nachhaltigkeit zeigen.

Nachhaltigkeit als Leitprinzip!

Das breite Thema haben die Bürger*innen aus fünf Perspektiven in Arbeitsgruppen beleuchtet: nachhaltige Entwicklung, Frieden und Sicherheit, Demokratie und Rechtsstaat, Wirtschaft und Handel sowie die Europäische Union. Die Themen wurden vorab in einem Beteiligungsprozess ausgewählt. Es ist erfreulich, dass nachhaltige Entwicklung dabei als sehr wichtig angesehen wurde. Ein kleiner Wermutstropfen ist es jedoch, dass nachhaltige Entwicklung nicht der Natur der Sache entsprechend als themenübergreifendes Grundprinzip mitgedacht wurde. Trotzdem zeigen sowohl die Leitlinien als auch die konkreten Empfehlungen der Gruppe nachhaltige Entwicklung, dass die gelosten Bürger*innen es ernst damit meinen, Nachhaltigkeit als übergeordnetes Leitprinzip in der deutschen Politik verankern zu wollen.

Viele konkrete Vorschläge

So einigten sich die Bürger*innen zum Beispiel darauf, dass Deutschland sich „global für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und die Wahrung der Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Frieden und Sicherheit“ einsetzen soll. Sie schlagen vor, Nachhaltigkeit im Grundgesetz zu verankern und sprechen sich dafür aus, ein „Nachhaltigkeitsministerium“ zu gründen, „welches die Koordination, Kontrolle und Überwachung über andere Ministerien innehat und für Transparenz sorgt“. Deutliche Worte finden sie auch dafür, dass „Klimaschutz priorisiert“ werden und Deutschland „Mut zur Gemeinwohlorientierung und zum Ende des kontinuierlichen Wachstumsparadigmas“ zeigen soll. Darüber hinaus sollen die Ausgaben für die „Entwicklungshilfe“ auf 2 % des Bruttonationaleinkommens erhöht werden (aktuell liegt die Rate bei 0,6 %). Zudem soll die Nahrungsmittelproduktion weltweit nachhaltig werden – „auch wenn die Lebensmittelpreise dadurch in Deutschland steigen.“ Diese Vorschläge gehen ganz eindeutig in die richtige Richtung, weil wir nur durch konsequentes Umdenken die Lebensgrundlagen für uns und künftige Generationen weltweit erhalten können. Die Idee eines auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ministeriums, welches alle anderen Ministerien koordinieren soll, unterstreicht den Wunsch der Menschen, dass die nötigen Veränderungen endlich politisch durchgesetzt werden. Ein weiteres Ministerium würde aber viel Bürokratie mit sich bringen und Nachhaltigkeit wieder zu etwas machen, das irgendwie on top kommt anstatt in allen Politikbereichen von Anfang an immer mitgedacht zu werden. Es geht auch einfacher: Eine Alternative wären z.B. politische Schranken für Gesetze und Produkte, die nicht nachhaltig sind. Die vorgeschlagene Verankerung von Nachhaltigkeit im Grundgesetz ist deshalb sinnvoll, denn so wäre es künftig leichter, Verstöße gegen das Nachhaltigkeitsprinzip vor Gericht zu bringen.   

Nachhaltigkeit hat Rückhalt in der Bevölkerung

Selbstverständlich sind nicht alle Vorschläge des Bürger*innenrats neu. Viele, wie z.B. die Reduzierung von Treibhausgasen, die Bekämpfung von Hunger oder Fairness im internationalen Handel sind bereits in internationalen Abkommen wie dem Pariser Klimaabkommen und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung festgeschrieben, die auch Deutschland unterzeichnet hat. Neu und ermutigend ist aber, dass diese Ziele der internationalen Gemeinschaft und die Konsequenzen für uns in Deutschland offenbar einen Rückhalt in der breiten Bevölkerung genießen, zumindest, wenn Bürger*innen die Möglichkeit bekommen, informiert darüber zu diskutieren. Damit könnten Bürger*innenräte sowohl den Druck auf die Politik für eine ambitionierte Umsetzung dieser Ziele als auch die gesellschaftliche Legitimation von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Deutschland erhöhen. Bei aller Begeisterung sind allerdings auch noch Fragen zur Einbettung von Bürger*innenräten in Politik und Gesellschaft offen, z.B., wie das politische Gewicht ihrer Empfehlungen gestärkt werden und die inhaltlichen Diskussionen in der Öffentlichkeit bekannter werden können.  

Bürger*innenräte haben Potential

Die im Bürger*innenrat „Deutschlands Rolle in der Welt“ erarbeiteten Vorschläge zeigen, dass die Bürger*innen die gegenseitige Abhängigkeit zwischen dem nationalen und globalen Gemeinwohl berücksichtigen und auch die jungen und künftigen Generationen im Blick haben. Genau diese Herangehensweise brauchen wir so dringend für die Umsetzung der globalen Nachhaltigkeits- und Klima-Agenden. Damit ist das Format auch unmittelbar relevant für die internationale Zusammenarbeit und die deutsche Politik. Die Institutionalisierung von Bürger*innenräten in Deutschland, insbesondere zu Nachhaltigkeitsfragen, wäre ein Ansatz, um mehr – insbesondere auch junge – Menschen miteinander über die Umsetzung der internationalen Ziele für eine lebenswerte Zukunft ins Gespräch zu bringen. Das ist übrigens auch eine Empfehlung des gelosten Gremiums selbst: „Deutschland soll (…) bürgernahe, politische Foren (z.B. Bürgerräte) dauerhaft nutzen und berücksichtigen“. Einige Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke haben diesen Wunsch der Bürger*innen nach einer Ergänzung unserer Demokratie bereits in ihr Programm aufgenommen. Ob und wie die Vorschläge des Bürger*innerats zum Thema „Deutschlands Rolle in der Welt“ politisch aufgegriffen werden, muss sich allerdings noch zeigen. Es ist zu erwarten, dass auch die Ergebnisse des Bürger*innenrats Klima am 23. Juni 2021 widerspiegeln werden, wie sehr Bürger*innen zu entscheidenden Maßnahmen für die Eindämmung der Klimakrise und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen entschlossen sind. Es bleibt zu hoffen, dass die Politiker*innen diesen Energieschub für nachhaltige Entwicklung im Sinne des globalen und künftigen Gemeinwohls mit in die nächste Legislaturperiode nehmen werden.

Tu Du’s

  • Du kannst Dich zu Bürger*innenräten in anderen Ländern informieren, z.B. in Irland, Vorarlberg in Österreich oder im französischen Elsass.
  • Du kannst Dich in Deiner Stadt, Deiner Gemeinde oder Deinem Landkreis für Bürger*innenräte zum Thema Nachhaltigkeit oder Klimapolitik einsetzen. In Berlin hat das z.B. gerade die Volksinitiative „Klimaneustart“ geschafft. Im April 2021 hat der Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses Berlin beschlossen, den Berliner Bürger*innenrat auf den Weg zu bringen.
  • Schreib‘ Deinen Abgeordneten (z.B. per Abgeordnetenwatch) und bitte sie, die Empfehlungen des Bürger*innenrats Deutschland Rolle in der Welt bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen und sich darüber hinaus für die politische Verankerung von gelosten Bürger*innenräte zu Nachhaltigkeits- und Zukunftsfragen einzusetzen.
  • Du kannst die Vorschläge des Bürger*innenrats „Deutschlands Rolle in der Welt“ und ab Juni des Bürger*innenrats „Klima“ in Deiner Schule und Deiner Uni, Deiner Familie, bei Deinen Freunden oder dort, wo Du Dich ehrenamtlich engagierst, bekannter machen.
  • Wenn Du in Deinem Umfeld über die Empfehlungen der Bürger*innenräte diskutierst, kannst Du versuchen, das Prinzip des „Deliberierens“ umzusetzen, das auch bei den Bürger*innenräten angewendet wird. Höre zu und diskutiere sachlich und respektvoll, auch wenn es in der Debatte stark gegensätzliche und emotional aufgeladene Standpunkte gibt.

Verfasserin

Okka Lou Mathis, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

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von Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Böden als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung

Wir treten auf ihm rum und behandeln ihn wie Dreck, obwohl er die Grundlage allen Lebens ist: Boden. Böden sind die dünne, fruchtbare Haut der Erde, die lebendige Epidermis des Planeten. Sie sind nicht bloß für die Welternährung essentiell, sondern auch für den Klimawandel, da die Böden der Welt mehr Kohlenstoff speichern als die Atmosphäre und die Biosphäre zusammen. Böden sind auch der größte planetare Wasserfilter und eine unfassbare Herberge für Biodiversität: in einem Teelöffel gesundem Boden leben mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Welt! Was die wenigsten wissen: Bodenorganismen sind die weltweit größte Quelle für Antibiotika1. Böden sind also nicht bloß ein inertes Substrat, in welchem Pflanzen wachsen, sondern sie sind ein komplexes lebendiges System, in welchem beständig Wasser, Luft und Leben zirkuliert. Böden werden auch zunehmend als essentieller Baustein für die globale „One Health“ (deutsch: „Eine Gesundheit“) Strategie angesehen, welche anerkennt, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt untrennbar miteinander verbunden ist. Gesunde Böden erzeugen gesunde Nahrungsmittel, die Basis für gesunde Tiere und Menschen, und neueste Studien haben zudem ergeben, dass sich Bodenmikroorganismen positiv auf das menschliche Immunsystem auswirken können2, was die alte Volksweisheit unterstreicht, dass „Kinder im Dreck spielen sollen“.

Boden One Health © IZNE

Abbildung: Wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Böden und die Umwelt miteinander verbunden sind. Die Pfeile können den Transport von Antibiotika und Schadstoffen, aber auch von gesundheitsfördernden Nährstoffen und Mikroorganismen bedeuten.

Boden Burn-out

Doch die Gesundheit der Böden ist akut in Gefahr, denn wir verlieren jedes Jahr Böden in der Größenordnung von 14 Millionen Fußballfeldern aufgrund von Entwaldung und nicht nachhaltiger Landwirtschaft3. Dieser Trend ist aus diversen Gründen alarmierend:

(1) Böden sind eine nicht erneuerbare Ressource - es braucht hunderte Jahre bis 1cm fruchtbarer Boden geformt wird;

(2) die globale Nahrungsmittelproduktion muss bis zum Jahre 2050 geschätzt um 60-100%4 gesteigert werden;

(3) der Wachstumstrend für die 4 global bedeutendsten Nutzpflanzen Reis, Weizen, Mais und Soja stagniert zum Teil oder kollabiert sogar5;

(4) die Fläche der weltweit verbleibenden unkultivierten Böden ist weltweit stark begrenzt und eine landwirtschaftliche Expansion geht oft mit beträchtlicher Degradierung von Ökosystemen einher6.  Zudem führen vermehrter Antibiotika- und Pestizideinsatz dazu, dass Antibiotikaresistenzen steigen, Schadstoffe sich im gesamten Ökosystem ausbreiten und die Biodiversität sinkt, mit drastischen Folgen für die planetare Gesundheit – oder „One Health“. Abbildung1 zeigt einige Pfade, wie der Mensch, Tiere, Pflanzen, Böden und Grundwasser miteinander verbunden sind.

Eine nachhaltige Investition

Nachhaltige Nutzung unserer Böden ist daher aktueller denn je. Dies umfasst eine Bodenbearbeitung, welche Bodenerosion minimiert, die organische Bodensubstanz und Biodiversität erhält beziehungsweise erhöht, und den Boden nicht zu stark verdichtet, so dass er atmen und Wasser aufnehmen kann. Es gibt keine Patentlösung, es braucht regional angepasstes Bodenmanagement und es darf nicht die gesamte Last auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden – sondern muss dringend von der Politik forciert und mitgetragen werden. Langfristige Subventionen und Investitionen in Böden rentieren sich ökonomisch, ökologisch und sozial7.

  • Ökonomisch, da ein gesunder Boden langfristig Erträge bringt, was wiederum die gesamte Nahrungsmittelproduktionskette inklusive aller damit verbundenen Jobs und Einkommen erhält.
  • Ökologisch, da ein gesunder Boden das Wasser filtert und reinigt, gut fürs globale Klima ist, und die planetare Biodiversität erhält.
  • Sozial, da ohne gesunde Böden Nahrungsmittelknappheit entsteht, was Konflikte und Migration zur weiteren Folge haben kann.

Weitgehend unbekannt ist, dass z.B. den Konflikten rund um den arabischen Frühling in 2011 großflächige Ernteausfälle und damit einhergehende Preiserhöhungen vorausgingen8. Was die Situation weiter anheizt ist „land grabbing“ (Landraub), der Aufkauf von kostbaren Agrarflächen von internationalen Konzernen oder von Staaten in Entwicklungsländern.

Bodenschutz ist daher untrennbar mit der Erreichung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verbunden9. Das erfordert jedoch die Zusammenarbeit zahlreicher Akteure: Landwirte, Politiker, Raumplaner, Wissenschaft, und Umweltschutzorganisationen. Dies ist jedoch schwierig, da hinsichtlich der begrenzten Bodenressource oft immanente Zielkonflikte zwischen Nahrungsmittelproduktion und Umweltschutz entstehen. Es hängt jedoch nicht bloß von den zuvor genannten Akteuren ab, sondern jede notwendige Veränderung braucht eine engagierte Gesellschaft, welche sich Stück für Stück mit dem Thema auseinandersetzt und ihren Teil dazu beiträgt. Das Umweltbundesamt hat mit dem kleinen Handbuch „Boden schützen leicht gemacht“ eine gute Basis geschaffen, womit jeder Mensch im kleinen anfangen kann, Böden zu schützen.

Das Erreichen einer symbiotischen Beziehung mit unseren Böden ist eine der bedeutendsten Aufgaben des 21en Jahrhunderts, denn eine Welt die ihre Böden zerstört, zerstört sich selbst.

Verfasser

Philipp Swoboda, Internationales Zentrum für nachhaltige Entwicklung

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von Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Internationales Zentrum für Nachhaltige Entwicklung – IZNE

Earth Day 2021

Am 22. April ist der World Earth Day, an dem zum Schutz der Erde und einem nachhaltigen Umgang mit der natürlichen Umwelt aufgerufen wird. Der Earth Day ist alljährlich Anlass für unterschiedliche Aktionen und Diskussionen von Menschen, Organisationen und Verbänden, die zu verantwortungsvollem Handeln und kreativen Ideen zum Umwelt- und Klimaschutz anregen wollen.

Die Erde © Engagement Global

Zum ersten Mal gefeiert wurde der Earth Day bereits 1970. Die Idee stammt von US-Senator Gaylord Nelson, der einen Aktionstag für Schulen und Universitäten zum Thema Umwelt plante. Mit der Unterstützung des Aktivisten Denis Hayes wurde daraus ein Ereignis, an dem 20 Millionen Menschen teilnahmen. In den 90er Jahren erlangte der Earth Day auch internationale Aufmerksamkeit: Heute beteiligen sich Menschen in über 150 Ländern.

In Deutschland liegt mit dem Motto „Jeder Bissen zählt“ der Fokus in diesem Jahr auf nachhaltiger Ernährung. Unsere Essgewohnheiten stehen in direktem Zusammenhang mit unserer Umwelt und dem Klima. Das Positive daran ist, mit jeder Mahlzeit und jedem Lebensmittel-Einkauf können wir zu einem ressourcenschonenden Konsum und fairen Produktionsbedingungen beitragen. Wer den eigenen „Foodprint“ kennenlernen möchte, kann ihn hier testen.

Am Earth Day sind alle aufgerufen, sich aktiv zu engagieren und für die Erde einzusetzen. Sei dabei und informiere dich, wie auch du dich beteiligen kannst!

Weitere Informationen:

https://www.earthday.de/
https://www.earthday.org/

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von Engagement Global - #17Ziele

Deutschland 2030: Haben wir jetzt einen Plan?

Schon gewusst? Die Bundesregierung hat einen Plan für die nachhaltige Entwicklung unseres Landes bis 2030. Erstmals wurde eine Nachhaltigkeitsstrategie in Deutschland 2002 beschlossen. Nun wurde die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie umfassend überarbeitet und am 10. März 2021 veröffentlicht. Das neue 365 Seiten umfassende Dokument soll den wesentlichen „Rahmen für die Umsetzung der Agenda 20301 in, durch und mit Deutschland“2 bilden, also das Erreichen der 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung. So prominent sich das auch anhört, die wenigsten haben jedoch etwas von dieser Strategie gehört und in vielen Ministerien spielt sie keine oder eine Nebenrolle. Dabei steht im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, dass die „Umsetzung der Agenda 2030 und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung […] Maßstab des Regierungshandelns“3 sowie „Richtschnur deutscher Politik“4 sei. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie müsste also als übergeordnete Strategie der Bundesregierung angesehen und dementsprechend der breiten Bevölkerung kommuniziert werden. Es lohnt sich, mal einen Blick in die Strategie zu werfen. Man erfährt zum Beispiel, wo wir mit dem Ausbau erneuerbarer Energie stehen oder wie stark wir mit unserem Konsum die globale Umwelt in Anspruch nehmen. Doch was sind die entscheidenden neuen Punkte der überarbeiteten Strategie?

Wenden und Hebel für eine nachhaltige Zukunft

Die Strategie zeigt erstmals auf, welche Schlüsseltransformationen (Wenden)5 erforderlich sind und mit welchen Hebeln6 sie umgesetzt werden können, um die globalen Nachhaltigkeitsziele doch noch bis 2030 zu erreichen.

Off-Track-Indikatoren als Ansporn für Kurskorrekturen

Die Bundesregierung hatte im Dezember 2019 erstmals eine Liste sogenannter Off-Track-Indikatoren vorgelegt, also Bereiche, wo Deutschland die gesetzten Ziele deutlich verfehlen könnte oder sich sogar in die falsche Richtung bewegt, von gleichen Bildungschancen über Energieverbrauch im Verkehr bis zu Artenvielfalt. Die neue Strategie greift diesen Ansatz auf. Sie ordnet die immer noch 25 Off-Track-Bereiche den sechs Schlüsseltransformationen zu und benennt insgesamt 43 Maßnahmen, um eine Kurskorrektur zu bewirken (vgl. Grafik).

Auch wenn Deutschland Fortschritte gemacht hat, so ist es entscheidend zu schauen, wo Deutschland im Bereich der nachhaltigen Entwicklung Nachholbedarf hat. Die unten angehängte Grafik zeigt die identifizierten Off-Track-Indikatoren, ordnet sie den Transformationsbereichen zu und weist auf Maßnahmen hin, um Deutschland „On-Track“ zu bekommen. Auch wenn für die Umsetzung politische Vorgaben notwendig sind, so kann sich jede/r Bürger*in einbringen und einen Teil zur nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Und welche Rolle spiele ich dabei?

Unsere Entscheidungen tragen erheblich dazu bei, die genannten Transformationen umzusetzen. Wir könnten zum Beispiel verstärkt in unsere Bildung investieren, unseren Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, nachhaltigere Produkte kaufen, sie reparieren und wiederverwenden, auf klimafreundliche Fortbewegungsmittel umsteigen, uns bewusster ernähren und die von uns produzierten Schadstoffe reduzieren. Ist alles auf einmal zu viel verlangt? Vielleicht, wenn wir uns den notwendigen Transformationen bewusst werden fällt es uns leichter, diese in unserem Alltag umzusetzen. Die Realisierung nachhaltiger Entwicklung ist ein Gemeinschaftswerk und kann nicht allein Entscheidungsträger*innen überlassen werden.

1 https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/agenda-2030-die-17-ziele/nachhaltigkeit-ist-international-392412

2 https://www.bundesregierung.de/resource/blob/998006/1873516/3d3b15cd92d0261e7a0bcdc8f43b7839/2021-03-10-dns-2021-finale-langfassung-nicht-barrierefrei-data.pdf?download=1, S. 16.

3 https://www.bundestag.de/resource/blob/543200/9f9f21a92a618c77aa330f00ed21e308/kw49_koalition_koalitionsvertrag-data.pdf, S. 137.

4 ebenda S. 18.

5 Menschliches Wohlbefinden und Fähigkeiten, soziale Gerechtigkeit; Energiewende und Klimaschutz; Kreislaufwirtschaft; Nachhaltiges Bauen und Verkehrswende; Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme; Schadstofffreie Umwelt.

6 Governance; Gesellschaftliche Mobilisierung und Teilhabe; Finanzen; Forschung, Innovation, Digitalisierung; Internationale Verantwortung und Zusammenarbeit.

Verfasser

Dominic Kranholdt, SDSN Germany

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Warum Banken so wichtig für den Klimaschutz sind und wie man eine nachhaltige Bank erkennt

Effektiver Klimaschutz erfordert Investitionen. Für die EU allein reden wir hier von ca. 1 Billionen Euro in den nächsten 10 Jahren, damit der Wandel zu einer klimaneutralen, grünen, wettbewerbsfähigen und inklusiven Wirtschaft gelingt1. Die verfügbaren Mittel aus öffentlichen Haushalten reichen dafür nicht aus. Vielmehr sind auch Banken, Investor:innen und private Anleger:innen gefragt. Diese haben zwar in den letzten Jahren für einen stetig wachsenden Markt grüner und sozialer Finanzprodukte gesorgt. Jedoch fristen grüne und soziale Investments bisher eine Nischendasein: 2019 lag der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate bei gerade mal 5% 2.

Die schlechte Nachricht ist also: Noch immer fließt das Geld vieler Bürger:innen in nicht-nachhaltige Unternehmen, die ihr Geld zum Beispiel mit Rüstungsexporten verdienen3. Und auch dein Geld, sofern du nicht bereits Kund:in einer der nachhaltigen Banken bist, wird vielleicht für die Produktion von Waffen, Minentätigkeiten ohne Menschenrechtstandards oder fossile Energien eingesetzt.

Nachhaltigkeitskriterien für private Geldanlagen

Klar ist; ein Großteil der Finanzflüsse fließt bisher in nicht-nachhaltige Bereiche. Dazu gehören auch solche Aktivitäten, die den Status Quo über einen langen Zeitraum zementieren – sogenannte lock-ins. Diese können dann auftreten, wenn langlebige Güter und Anlagen gebaut oder gekauft werden, die den Wandel verlangsamen oder sogar verhindern. Wer also jetzt beispielsweise in großem Maßstab Produktionsanlagen für Pkw mit Verbrennungsmotoren baut, legt auf Jahrzehnte die Zukunft unserer Mobilität fest.

Nachhaltige Geldanlagen sind deshalb solche, die

  • aktiv zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen (z. B. Ausbau erneuerbarer Energien zur Vermeidung von Treibhausgasen),
  • oder andere Bereiche dabei unterstützen (z. B. Ausbau von Infrastrukturen für bezahlbaren Wohnraum oder Entwicklung ressourcenschonender Prozesse),
  • ohne jedoch Sozial- und Umweltziele zu gefährden.

Die gute Nachricht ist: Auch du kannst deinen Beitrag zur Finanzierung von nachhaltiger Entwicklung leisten, mag er auch noch so klein sein.

Die richtige Bank erkennen

Banken sind die zentralen Ansprechpersonen für private Anleger:innen in diesem System. Sie können mithilfe eigener Zielsetzungen und Instrumente die Nachhaltigkeitswirkung von Geldanlagen beeinflussen. Geldinstitute, welche diese Verantwortung ernst nehmen

  • haben eine Abteilung „Sustainable Finance“ (in großen Banken) oder einen Nachhaltigkeitsbeauftragten (in kleineren Instituten),
  • berichten und kommunizieren aktiv ihre Nachhaltigkeitsziele und -fortschritte und
  • haben Bereiche definiert, in die nicht mehr investiert werden soll (z.B. über sogenannte Negativlisten).

Banken, die vorrangig nachhaltige Geschäftsmodelle verfolgen, kennen darüber hinaus in der Regel die Wirkung und Nachhaltigkeitsrisiken ihrer Aktivitäten und legen positive Kriterien für die Steuerung ihres Anlagevermögens oder die Vergabe von Krediten fest.

Ausblick: Es bewegt sich viel

Der „Green Deal” der EU legt den Rahmen und Finanzplan für die große Transformation fest. Zahlreiche Initiativen begleiten diesen Prozess und werden in Rechtsakten oder Verordnungen verankert. Dazu gehören beispielsweise Berichtspflichten für große Unternehmen über nachhaltige Aktivitäten, Klimarisiken oder die Einhaltung von Menschenrechten (z. B. die EU Taxonomie on Sustainable Finance4 oder die EU Direktive NFRD zu Nichtfinanziellen Angaben von Großunternehmen5). Es sind aber auch Standards für Finanzprodukte betroffen. So soll etwa in Zukunft die Nachhaltigkeit re-finanzierter Projekte durch zertifizierte Gutachter und nach festen Regeln nachgewiesen werden.

Die beschriebenen Programme und Berichtspflichten werden in Zukunft zu mehr, besser reglementierten und robusteren Nachhaltigkeitsinformationen für private Geldanleger:innen führen.

Bis dahin sind Kund:innen jedoch auf andere Quellen angewiesen. Eine hilfreiche Webseite mit Tipps und Tricks zu nachhaltigen Geldanlagen wird beispielsweise durch die Verbraucherzentrale Bremen betrieben (www.geld-bewegt.de). Wer sich hingegen eher dafür interessiert, wie gut die eigene Bank bei Nachhaltigkeitsthemen abschneidet, kann sich am FairFinanceGuide orientieren (www.fairfinanceguide.de).

1 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_20_17
2 https://fng-marktbericht.org/der-nachhaltige-anlagemarkt-deutschland-2/#investment
3 https://www.fairfinanceguide.de/media/495088/unser-geld-fuer-ruestungsexporte.pdf
4 https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2020/09/kapitel-1-6-sustainable-finance-taxonomie.html
5 https://finanzwelt.de/das-muss-in-bezug-auf-nachhaltigkeit-alles-veroeffentlicht-werden/

 

Verfasser:

Jens Teubler, Wuppertal Institut

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Mehr als nur ein Spiel: Die norwegische SDG-Kampagne „Save Tropical House“

Norwegen engagiert sich schon lange stark für den Regenwald, doch den Jugendlichen des Landes war dieser Umstand weitestgehend unbekannt. Um daran etwas zu ändern, nahm sich die norwegische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Norad) mit Unterstützung der PR-Agentur Gambit HK Strategies im Jahr 2017 dieser schwer zu erreichenden Zielgruppe an. Um die Entfernung zu den weit entfernten Regenwäldern zu überbrücken, zielte die neuerschaffene Kampagne auf ein Herzstück der Jugendkultur ab: auf ihre Musik.

Zur Zeit der Kampagne dominierten die norwegischen Musiker Kygo und Matoma die internationalen Dance-Charts mit dem von ihnen geprägten Musikgenre „Tropical House“. Mithilfe der Comedians Odd-Magnus Williamson und Henrik Thodesen erfanden Norad und Gambit HK Strategies das Tropical-House-Duo „R.E.D.D.“. In ihren ironischen Songs zeigte sich das Duo bis ins Mark erschüttert über den Verlust von Regenwäldern – schließlich wäre ihr geliebtes Genre ohne die Tropen „nur noch House“.
Mittels Gamification wurde die Zielgruppe der Kampagne in das Projekt eingebunden. Dazu veröffentliche R.E.D.D. den unfertigen Song „Save Tropical House“. Im dazugehörigen Video rief das Duo alle Zuschauenden auf, selbst kreativ zu werden und den Song zu vervollständigen. Mit vorgefertigten Songfetzen konnte aus der Vorlage von R.E.D.D. auf einer Website ein individuelles Musikkunstwerk erschaffen werden. Um diese Elemente Stück für Stück freizuschalten, mussten die Teilnehmenden Fragen über die Tropen richtig beantworten. Die fertigen Kunstwerke traten in einem Wettbewerb gegeneinander an und der Gewinner-Song wurde auf Spotify veröffentlicht, wo er den vierten Platz der nationalen Top-50-Charts belegte.
Wortwitz und Humor kennzeichneten die Kampagne. Der Name des Musikerduos R.E.D.D. steht auch für „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation“. Mit dem sinnfreien Aufzählen tropischer Orte und Reimen wie „Begging on my knees / don’t cut down the trees“ parodiert das Duo sein Genre.

„Save Tropical House“ ist nur eine von vielen Unternehmungen von Norad, SDGs in Norwegen zu bewerben. 2016, ein Jahr vor „Save Tropical House“, startete die Agentur eine Serie von „Erleuchtungswanderungen“ zu den Spitzen der norwegischen Berge und nutzte damit die Begeisterung der Bevölkerung für das Wandern. Mit solchen Kampagnen schaffte es Norad, das Bewusstsein über SDGs im eigenen Land von nur 35 Prozent im Jahr 2016 auf 50 Prozent im Folgejahr zu heben.

Ein wichtiger Teil der Erfolgsgeschichte Norads ist auf die Nutzung von Big Data zurückzuführen, um ihre Publika zu identifizieren und zu segmentieren. Für „Save Tropical House“ half die Identifikation von Musikgeschmack, Gaming-Gewohnheiten und DJ-Begeisterung der Jugendlichen, die Kampagne auf eine scharf definierte und recht homogene Zielgruppe zuzuschneiden. Big Data hat allerdings auch Nachteile: Die Nutzung ist teuer und birgt das Risiko, dass das Micro-Targeting übergeordnete Kampagnenziele verwässert. Wenn man auf diese Risiken und auf Datenschutzbedenken achtet, kann die Segmentierung von Zielgruppen durch die Nutzung von Big Data jedoch ein starkes Instrument sein.
Im SDG-Bericht von 2016 betont Norwegen die Notwendigkeit, junge Menschen ins Boot zu holen, um die SDGs zu erreichen. Als Treibkraft für Veränderungen und als zukünftige Bewohner unseres Planeten sind junge Menschen die wichtigste Zielgruppe der SDGs. Die Ziele, die in „Save Tropical House“ angesprochen werden – Ziel 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und Ziel 15 (Leben an Land) – haben die oberste Priorität der norwegischen Regierung in Sachen SDGs. Um diese Ziele zu erreichen, sind ungewöhnliche Ansätze der richtige Weg.

„Save Tropical House“ erreichte einen von sechs Menschen in der Zielgruppe der 15- bis 26-Jährigen. Sie verbrachten durchschnittlich fünf Minuten auf der Spiel-Website. Das Youtube-Video zum Song von R.E.D.D. wurde 125.000 Mal angeschaut, über alle Plattformen wurde er 1,3 Millionen Mal gestreamt.
„Save Tropical House“ beweist, dass das Parodieren von kulturellen Phänomenen und Plattitüden der Klimaschutz-Rhetorik nicht unbedingt zynisch wirken muss, sondern sogar hilfreich sein kann, wenn man die richtigen Menschengruppen anspricht. Wenn die 17 Ziele ein wenig ihrer trockenen Ernsthaftigkeit verlieren, können wir viele neue Unterstützerinnen und Unterstützer gewinnen.

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Online Ausstellung "Game Changers - Women in Agriculture"

Wie die Ziele 2 (Kein Hunger) und 5 (Geschlechtergerechtigkeit) zusammenhängen zeigt die Online-Ausstellung „Game Changers - Women in Agriculture“ der Initiative EINEWELT ohne Hunger. Denn während Frauen rund 80% der Nahrungsmittel produzieren und 50% der Arbeitskräfte in der Nahrungsmittelproduktion stellen sind sie überproportional oft von Armut betroffen und besitzen das Land, das sie bestellen, nur selten selbst. Gleichzeitig ist ihr Potential enorm: hätten Bäuerinnen die gleichen Mittel für ihre Arbeit zur Verfügung wie Bauern könnten weltweit rund 150 Mio. Menschen vor Hunger bewahrt werden.

Sieben Frauen aus Ghana, Indien, Togo, Benin und dem Südsudan wurden nun als Game Changers ausgezeichnet und erhalten jeweils ein Förderungs- und Weiterbildungspaket im Wert von 1.500€. In der online-Ausstellung kommen sie selbst zu Wort und stellen ihre Arbeit vor. Die Bandbreite der ausgezeichneten Projekte ist sehr groß. Egal ob durch die Förderung des Lebensmittelanbaus im eigenen Garten, die Ausbildung arbeitsloser Jugendlicher in verarbeitenden Betrieben oder die Anwendung neuartiger Anbaumethoden: alle Preisträgerinnen haben ihre Heimatorte und –regionen direkt positiv verändert, die Versorgungssicherheit verbessert und die Sichtbarkeit von Frauen erhöht.

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Eine ambivalente Bilanz: 5 Jahre Agenda 2030

Im September 2015 wurde die Agenda 2030 – und damit die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung – von den Vereinten Nationen beschlossen. Unter dem Titel „Transformation unserer Welt“ wurde der Rahmen für die nachhaltige Entwicklung der kommenden 15 Jahre verabschiedt. Fünf Jahre später, nach einem Drittel dieses Zeitraumes, zieht das Global Policy Forum in einem großen Bericht eine Zwischenbilanz. Das Fazit fällt ambivalent aus: Zwar bleibt der erhoffte Fortschritt im großen Stil oft aus; Schuldenkrisen, mangelnde Gesundheitsversorgung und der Klimawandel bedrohen die Lebensgrundlagen vieler Menschen und lassen die soziale Ungleichheit vielerorts wachsen. Die Corona-Pandemie verstärkt diese Entwicklung häufig noch. Andererseits wächst insbesondere auf kommunaler Ebene das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen werden immer aktiver und sichtbarer. Dutzende Städte und Gemeinden haben eigene Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt und Protestbewegungen wie Fridays for Future, Black Lives oder #MeToo greifen die Themen der Agenda 2030 direkt auf.

Der SDG-Report des Global Policy Forum arbeitet anhand von Zahlen, Fakten und Fallbeispielen Ziel für Ziel das bisher erreichte auf und zeigt, wo noch Handlungsbedarf besteht. Für die Autoren steht fest: ohne Engagement auf der lokalen Ebene und Initiativen aus der Zivilgesellschaft kann die Umsetzung der Agenda 2030 und das Erreichen der 17 Ziele nicht gelingen.

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Mit Friedenspolitik gegen den Klimawandel

Warum sollten wir nicht über Klimakriege, sondern über Klimafriedenspolitik sprechen? Das Friedensgutachten 2020 „Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa”1 widmet der „Friedenspolitik in Zeiten des Klimawandels” ein eigenes Kapitel und lädt dazu ein, multilaterale und kooperative Lösungsstrategien zu entwickeln. 

Vor rund einem Jahr, im November 2019, rief das Europäische Parlament (EP) den Klimanotstand aus. Gesetzes- und Haushaltsvorschläge der Europäischen Kommission sollen zukünftig mit dem Ziel übereinstimmen, die Erderwärmung auf weniger als 1,5°C zu begrenzen. Das EP hat sich zudem für das Vorhaben ausgesprochen, die Co2-Emissionen bis zum Jahr 2050 in der Europäischen Union (EU) auf null zu reduzieren und somit klimaneutral zu werden.2 Neben der Ausrufung des Klimanotstands führte im Jahr 2019 auch das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure, wie der Fridays-for-Future-Bewegung, dazu, dass Klimaveränderungen von der Öffentlichkeit vermehrt als eine krisenhafte Entwicklung wahrgenommen werden. 

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits jetzt deutlich erkennbar: Polare Eiskappen und Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt an, regional treten Extremwetterereignisse, wie Hitzewellen, Dürren oder zunehmende Niederschläge, vermehrt auf. Die Europäische Kommission warnt vor einer Verschärfung dieser Wetterereignisse in den nächsten Jahrzehnten.3 

Kooperationen dienen der Sicherung des Friedens

Gehen damit in Zukunft auch vermehrt gewaltsame Konflikte um natürliche Ressourcen einher? Nicht unbedingt. Der Effekt des Klimawandels ist komplex und nicht konkret zu prognostizieren: Auf der einen Seite stellen die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen die Menschen in vielen Regionen der Erde vor Gefahren, die durchaus als Bedrohung für Sicherheit und Frieden empfunden werden können und das Potenzial haben, Gesellschaften zu destabilisieren. Auf der anderen Seite ergibt sich die Chance, dass auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene vermehrt Kooperationen angestoßen werden, um den vielfältigen Herausforderungen zu begegnen. Durch Zusammenarbeit können die Folgen des Klimawandels begrenzt werden, während Konflikte lediglich zu einer Verschärfung der Lage beitragen. 

Auch eine bedachte gewählte Semantik trägt zur Konfliktprävention bei. Vor der Verwendung des Begriffs Klimakrieg kann nur gewarnt werden, denn: Konflikte und Kriege sind keine Naturereignisse! Zudem können die politischen Folgewirkungen dieser Wortwahl durchaus riskant sein. Die Bezeichnung suggeriert, dass sich durch Militär und Rüstung Folgen des Klimawandels abmildern lassen, jedoch ist das Gegenteil der Fall: Diese sicherheitspolitischen Instrumente forcieren Umweltbelastungen! Für eine nachhaltige Friedenssicherung benötigen wir daher multilaterale politische Instrumente, die auf Kooperationen setzen, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Das Schlagwort lautetKlimafriedenspolitik”. Auch wenn die Effekte von Klimakrisen auf Frieden und Sicherheit komplex sind, entfalten sie oftmals eine indirekte Wirkung, die es erfordert, Risiken frühzeitig zu erkennen und präventive Gegenmaßnahmen zu ergreifen. 

Wie können politische Akteure konkret Klimafriedenspolitik betreiben? Es wäre zum Beispiel wünschenswert, wenn sich die Bundesregierung dafür engagiert, dass die Europäische Union eine zukünftig eine gemeinsame Position in der Geoengineeringi-Debatte vertritt. Zudem sollte Deutschland sich auch auf internationaler Ebene dafür einsetzen, die friedenspolitische Bedeutung des Klimawandels, insbesondere mit Blick auf klimafragile Regionen, stärker zu thematisieren. Dazu bieten sich formelle und informelle Wege der Diplomatie an, insbesondere im Rahmen von G7 und G20. 

Weitere Handlungsempfehlungen:
https://friedensgutachten.de/user/pages/02.2020/03.fokus/FGA_2020_barrierefrei_Kapitel_F.pdf 

1Das Friedengutachten, die gemeinsame Jahrespublikation des BICC (Bonn International Center for Conversion), des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) und des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH), analysiert aktuelle Gewaltkonflikte, zeigt Trends der internationalen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik auf und gibt Empfehlungen für die Politik. https://www.friedensgutachten.de/user/pages/02.2020/01.Gutachten_Gesamt/Friedensgutachten_2020_web.pdf
2 https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20191121IPR67110/europaisches-parlament-ruft-klimanotstand-aus (15.10.2020)
3 https://ec.europa.eu/clima/change/consequences_de (15.10.2020) 
Einen guten Überblick darüber, welche Länder besonders vom Klimawandel betroffen sind und wo mit Temperatur- und Meeresspiegelanstiegen zu rechnen ist, bietet das Themenmodul „Umweltsicherheit” (https://sicherheitspolitik.bpb.de/m8) des Informationsportals Krieg und Frieden. Das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und des BICC bietet Hintergrundinformationen zu sicherheitspolitischen Fragen. 

Verfasser:

Prof. Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor BICC

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Wie die Corona-Pandemie uns zu mehr Nachhaltigkeit motivieren kann

Das globale Klima erwärmt sich, immer mehr Arten sterben aus, in manchen Regionen wird Wasser zu einem knappen Gut, Plastikmüll verschmutzt unsere Meere, die Belastungen durch Feinstaub nehmen immer mehr zu – die Liste unserer globalen Herausforderungen ist lang und wird gefühlt immer länger. Und nun erleben wir auch noch zum ersten Mal in unserer Zeit eine globale Pandemie. Unser Alltag ist auf den Kopf gestellt, nichts scheint mehr sicher; was in den nächsten Wochen passiert, scheint nicht mehr planbar. Wie können wir lernen, in solch ungewissen Zeiten unsere Ängste zu überwinden, Risiken besser einzuschätzen und nachhaltige Verhaltensmuster langfristig zu etablieren? Erkenntnisse aus der Verhaltenswissenschaft können uns dabei helfen, dies erfolgreich zu meistern.

Aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive haben die oben genannten globalen Herausforderungen drei Punkte gemeinsam: Erstens, sie erfordern, dass wir unser individuelles Verhalten für die Gemeinschaft und das globale Gemeinwohl verändern. Häufig geht es dabei nicht nur um das eigene Wohlergehen, sondern vor allem um das Wohlergehen anderer Menschen (z.B. wenn wir auf Fleischkonsum und Flugreisen verzichten oder eine Mund-Nasen-Maske tragen). Zweitens, ist es häufig ungewiss oder nur schwer nachzuvollziehen, wie wirksam unser individuelles Handeln wirklich ist. Die Kosten unseres Verzichts hingegen spüren wir direkt und sie können unsere Lebensumstände gravierend verändern. Drittens, die Einschränkungen, die von uns gefordert werden, fallen jetzt in der Gegenwart an, während die positiven Auswirkungen unseres Verzichts größtenteils zeitlich versetzt in der Zukunft liegen.

In der aktuellen Corona-Pandemie nehmen Politikerinnen und Politiker Einfluss auf unser Verhalten. Einerseits setzen sie Regeln und Vorschriften, gleichzeitig appellieren sie auch an unser freiwilliges und verantwortungsvolles Handeln. Wir erleben gerade in vielen Ländern, wie erstaunlich handlungsfähig die Politik sein kann und, dass sich solch eine länderübergreifende Krise unter Kontrolle bringen lässt, wenn alle an einem Strang ziehen. Dabei sind Verhaltensmuster zur Bekämpfung der Pandemie und zum Schutz der Umwelt stark miteinander verknüpft. Studien zu China und Italien zeigen beispielsweise, dass die weltweiten negativen Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt seit Ausbruch der Corona-Pandemie erheblich zurückgegangen sind. Vielleicht bietet der derzeitige Ausnahmezustand für uns die Möglichkeit, eigene Verhaltensweisen auch für den Umweltschutz noch einmal kritisch zu hinterfragen und Gewohnheiten auch langfristig umzustellen. Vier Bereiche wollen wir euch vorstellen, bei denen Erkenntnisse aus der Verhaltenswissenschaft dabei helfen können, den gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen:

1. Lernen mit Ungewissheit umzugehen

Wir sind nicht gut darin, abstrakte Risiken und Unsicherheiten zu bewerten. Das kann zu übertriebener Angst und Panik führen. Im Extremfall führt es sogar dazu, dass Menschen versuchen, durch den Glauben an Verschwörungstheorien Kontrolle über Risiken und Unsicherheiten zurück zu gewinnen. Dies ist gefährlich und bietet einen Nährboden für demokratiefeindliche Bewegungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kampagnen mit Gegenargumenten zu Verschwörungstheorien einen Erfolg haben, und dass die Fähigkeit Fake News zu erkennen erlernt werden kann. In Zeiten von Ungewissheit und nur schwer greifbaren Risiken ist es wichtiger denn je, Expertinnen und Experten im jeweiligen Fachgebiet zu vertrauen und sich nicht von Verschwörungstheorien beeinflussen zu lassen. Eine transparente Kommunikation und kompetente Informationsbewertung helfen uns auch dabei, Fakten zum Klimawandel richtig zu bewerten und der Klimakrise erfolgreich entgegen zu treten. Dabei können wir durch einen verständnisvollen Austausch über Ängste und Sorgen (z.B. “Ich verstehe, dass es schwierig ist für dich auf ein Auto zu verzichten.”) sowie kritisches Hinterfragen (z.B. "Woher hast du diese Informationen?") und Faktenchecks (z.B. “Auf der Seite der Bundesgesundheitsministerium steht zu Impfungen, dass...”) auch zusätzlich dabei helfen, dass Freunde und Bekannte sich nicht von Verschwörungstheorien leiten lassen.  

2. Neue Gewohnheiten zum Schutz der Umwelt beibehalten

Alle Menschen folgen Gewohnheiten und diese haben maßgeblichen Einfluss auf unseren globalen ökologischen Fußabdruck. Gewohnheiten zu ändern fällt uns aber oft schwer. Wir alle kennen die guten Vorsätze zum Jahresbeginn, die dann aber doch selten umgesetzt werden. Außergewöhnliche Ereignisse wie z.B. ein Umzug, eine Trennung vom Partner oder der Partnerin oder eben eine Situation wie die aktuelle Pandemie zwingen uns dazu, unsere Gewohnheiten zu ändern. Das muss nicht unbedingt immer negativ sein. Denn Ausnahmesituationen  können uns auch dabei helfen, Neues auszuprobieren und neue  Verhaltensmuster zu etablieren. Vielleicht gehen wir mit Maske ungern shoppen und verzichten eine Weile auf den Kauf neuer Kleidung; vielleicht fahren wir neuerdings lieber mit dem Fahrrad oder gehen mehr zu Fuß, obwohl wir dabei womöglich mehr Zeit benötigen. Einige dieser neuen Verhaltensmuster nun (zumindest teilweise) beizubehalten, bietet Chancen, dass wir unseren Lebensstil auch langfristig nachhaltiger gestalten. Gleichzeitig sollten wir aufpassen, dass wir unseren Verzicht während der letzten Monate nun nicht dazu nutzen, erhöhten Konsum in der Zukunft zu rechtfertigen (z.B. “Ich habe kaum neue Klamotten gekauft, dafür kaufe ich jetzt wieder umso mehr.”).

3. Neue soziale Normen motivieren zu Umweltschutz

Unser Verhalten wird durch soziale Normen, das Handeln und Denken anderer Menschen in unserem sozialen Umfeld, beeinflusst. In einem Raum, in dem alle eine Maske tragen, würde man sich ohne Maske schnell unwohl fühlen. Je mehr Menschen im Bekannten- und Freundeskreis über die Corona-App reden und diese auf ihrem Smartphone installieren, desto eher ist man dazu geneigt, dies auch zu tun. Allerdings dauert es eine Weile, bis sich Normen etablieren. Sie müssen durch politische Maßnahmen und eine transparente Kommunikation unterstützt werden. Unter jüngeren Menschen bilden sich - im Vergleich zu ihren Großeltern - bereits neue Normen, z.B. im Umgang mit Fleischkonsum. Auch zählt für viele ein Auto nicht mehr unbedingt als Statussymbol, wie dies eventuell noch vor ein paar Jahren der Fall war. Wir nutzen Sharing-Dienste, nehmen mal das Leih-Fahrrad oder die Bahn, je nach Situation. Die Pandemie hat soziale Normen schneller verändert als gewöhnlich - plötzlich machen Freundinnen und Freunde Urlaub in der Region und auch Radfahren liegt auf einmal wieder stark im Trend. Das bietet die Chance, diese sozialen Normen zu etablieren und somit die Gesellschaft als Ganzes hin zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Um diese positive Veränderung von Normen aktiv zu unterstützen, hilft es zusätzlich sich im Freundes- und Bekanntenkreis über neue Normen und Verhaltensweisen auszutauschen (z.B. “ Ich fahre jetzt häufiger mit dem Leih-Fahrrad.”).

4. Verzicht von Konsum und Luxus als Bereicherung werten

Die letzten Monate haben uns dazu bewegt, neue Dinge auszuprobieren (z.B. Backen, Heimwerken und Spazierengehen) und andere Dinge seltener (z.B. Shopping) oder vorerst gar nicht auszuüben (z.B. Fernreisen). Dies kann schnell wie ein Verzicht wirken. Gleichzeitig kann es aber auch als Gewinn gesehen werden.  Wer erstmals im eigenen Land verreist, entdeckt vielleicht schöne neue Ecken, die man auch nach der Krise mehr zu schätzen weiß. Zum Teil verbringen wir mehr Zeit mit der Familie oder lassen alte Hobbys wieder aufleben und entdecken Neue. Die Pandemie zwingt uns dazu, zu entschleunigen und  umzudenken. Wenn wir dabei den Fokus darauf legen, was wir positiv dazu gewinnen, statt darauf zu schauen, was wir möglicherweise verlieren, stellen wir fest, dass neu in jedem Fall anders, aber nicht unbedingt weniger oder schlechter bedeutet. Wenn wir die  kleinen Dinge des Alltags mehr wertschätzen und achtsam mit unseren Mitmenschen und der Umwelt umgehen, ist das nicht nur wichtig, um die Pandemie und den Klimawandel zu bekämpfen, sondern es macht uns auch langfristig glücklicher.

Verfasserinnen:

Hanna Fuhrmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Sascha Kuhn, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

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SDGs: Frieden - Für eine nachhaltige Zukunft unabdingbar

In diesem Beitrag erfährst Du, warum eine nachhaltige Zukunft auch eine Frage von Krieg und Frieden ist. Mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs), die die Vollversammlung der Vereinten Nationen 2015 einstimmig verabschiedete, fand auf politischer Ebene erstmals eine Verbindung der Felder Nachhaltigkeit und Frieden statt. Die Erhebung von Frieden, Gerechtigkeit und starken Institutionen zum 16. Nachhaltigkeitsziel (SDG 16) ist ein wichtiger Impuls und verleiht dieser Entwicklung Ausdruck. Umso erstaunlicher ist es, dass die SDGs die Bereiche Krieg und Rüstung nicht thematisieren.1 Um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten, müssen diese Problematiken jedoch stärker in den Blick genommen werden! 

Insbesondere die folgenden vier Aspekte, die in der SDG Agenda fehlen, müssen zukünftig in der Nachhaltigkeitsdebatte unbedingt berücksichtigt werden:  

Rüstungsökonomie
Auch wenn es banal klingen mag – die Menschheit bringt für Rüstung und Kriege die finanziellen Ressourcen auf, die für die Umsetzung der SDGs fehlen! 2019 gaben alle Staaten zusammen ca. 1.600 Milliarden Euro für Rüstungsgüter aus. Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) würden 60 Prozent dieser weltweiten Rüstungsausgaben ausreichen, die kalkulierten notwendigen Kosten für die Umsetzung der kostenintensivsten zehn SDGs zu finanzieren.2 Selbst dann wären immer noch 40 Prozent des globalen Rüstungsetats übrig, um die als „notwendig“ erachtete Verteidigung zu bezahlen. Unter Nachhaltigkeitsaspekten wäre es allerdings sicher besser, diese Mittel für Friedenseinsätze unter UN-Mandaten auszugeben.  

Die gegenwärtige Rüstungspolitik hat mit einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen nichts zu tun. Darüber gibt auch der jährliche Globale Militarisierungsindex (GMI) des Friedens- und Konfliktforschungsinstituts BICC Auskunft: https://www.bicc.de/publications/publicationpage/publication/global-militarization-index-2017-785/.  

Auch wenn die USA derzeit auf die NATO-Partner und durch die Ankündigung eines teilweisen Truppenabzugs insbesondere auf Deutschland Druck ausüben: Die geforderten zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für Militärausgaben bedeuten mehr Mittel für globale Rüstungsausgaben, die nicht zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie, des Hungers oder des Klimawandels zur Verfügung stehen. Ein neues weltweites Wettrüsten läuft auch allen Bemühungen um Nachhaltigkeit zuwider.  

Selbstzerstörung
Der zweite Aspekt, der erstaunlicherweise in der Nachhaltigkeitsdebatte nur selten thematisiert wird, ist, dass die Menschheit aufgrund der bestehenden Rüstungsarsenale schon seit Langem über das zerstörerische Potenzial verfügt, gleich mehrfach innerhalb weniger Tage die ganze Erde in Schutt und Asche zu legen. Der Einsatz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen (ABC-Waffen) würde unseren Planeten auf Jahrhunderte unbewohnbar machen. Auch wenn die Dringlichkeit den CO2-Ausstoß einschneidend zu vermindern, was keinesfalls relativiert werden darf, gilt: Um Nachhaltigkeit für die kommenden Generationen zu schaffen, müssen internationale Verträge erhalten oder geschaffen werden, die die zerstörerische Kraft von ABC-Waffen so sehr einhegen und sanktionieren, dass ihr Einsatz unmöglich gemacht wird.  

Zerstörerische Kriege
Wirkliche Nachhaltigkeit kann nur in Gesellschaften erzielt werden, die in keinen kriegerischen Zuständen leben. Kriege und Gewaltkonflikte bedeuten einen drastischen Rückschritt für jegliche Art nachhaltiger Entwicklungsleistungen. Dieser Zusammenhang wird an Beispielen wie Syrien, Afghanistan, Irak, Südsudan oder Kolumbien deutlich, wo vielerorts Armut und Hunger herrschen und Chancengleichheit, Bildung, Gesundheit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen auf der Strecke bleiben. In Kriegen werden – neben Menschenleben – Milliarden an Kosten für Infrastruktur vernichtet sowie der Zugang zu Grundbedürfnissen, die die SDGs auflisten, zunichte gemacht. Der Wiederaufbau verschlingt weitere Milliarden. Nach Schätzung der Weltbank schrumpfte allein in Syrien durch den Krieg zwischen 2011 und 2016 das Bruttoinlandprodukt um 228 Mrd. US-Dollar.3 Wer Nachhaltigkeit erreichen will, muss Kriege verhindern und überwinden. 

Regionale Destabilisierung
Kriege sind nur selten räumlich begrenzte Ausnahmeerscheinungen. Meist verweilt die Gewalt nicht innerhalb nationaler Grenzen, sondern schwächt ganze Regionen. Bürgerkriegsökonomien profitieren von Verbrechen wie dem Schmuggel und Handel mit Menschen, Waffen, Drogen und natürlichen Ressourcen, wie Erdöl und Diamanten. Grenzübergreifende Gewalt vertreibt Menschen aus ihrer Heimat und zwingt sie in langanhaltende Fluchtsituationen. Sie beeinträchtigt die Gesellschaften in der Nachbarschaft von Konfliktländern, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.  

Friedens- und Konfliktforschung = Nachhaltigkeitsforschung? 
Fest steht: Weltweite Abrüstung und die Überwindung von Gewaltkonflikten und Kriegen müssen weiter ins Zentrum der Nachhaltigkeitsdebatte rücken. Die Friedens- und Konfliktforschung kann hier wichtige Impulse liefern. Sie begreift sich auch als Nachhaltigkeitsforschung, denn im Kern geht es ihr darum, globale Zusammenhänge zu erforschen, die friedliches Zusammenleben auf lange Sicht ermöglichen. Sie strebt an, Wege und Mittel zu identifizieren, wie Gewaltkonflikte präventiv verhindert bzw. überwunden und soziale Ungleichheiten abgebaut werden können. Kurz, die Friedens- und Konfliktforschung setzt sich für essentielle, aber in der Nachhaltigkeitsdebatte bisher vernachlässigte Aspekte wie Abrüstung und die Beendigung von Kriegen ein. 

 

1 Nur der Begriff “violent conflict” wird einmal in der Präambel von SGD 16 erwähnt.
2 Perlo-Friema, Sam (2016): The Opportunity Costs of World Military Spending. SIPRI. Commentary.
https://www.sipri.org/commentary/blog/2016/opportunity-cost-world-military-spending  

 

Verfasser:

Prof. Dr. Conrad Schetter, Wissenschaftlicher Direktor BICC

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Dein – Mein – Unser Beitrag zu den SDGs während der Corona-Pandemie (Teil 3)

Vor fünf Jahren haben wir – die Vereinten Nationen – die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet. Diese sollen unsere Welt – unsere Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie – zu einer nachhaltigen Entwicklung befähigen. Ebendiese Welt blickt momentan neben der Klimakrise jedoch einer weiteren Krise ins Auge: Der Covid-19-Pandemie (Coronavirus, SARS-CoV-2). Ohne die Gefahren, Schicksale und Verluste zu ignorieren, fragen wir uns: Gibt es bei all´ den Einbußen und Verlusten auch positive Seiten? Können und sollten wir uns fragen: Was lernen wir? Was können wir selber tun? In diesem Licht diskutieren wir die Covid-19-Pandemie entlang der 17 SDGs, primär mit Blick auf Deutschland und konzentrieren uns in diesem letzten Teil auf die Ziele 13 bis 17.

Fahrrad statt Auto, den Fleischkonsum reduzieren, Licht ausmachen und weniger Plastik verbrauchen – deine guten Vorsätze sind auch in Zeiten der Corona-Pandemie richtig und wichtig. Auch wenn es scheint, als komme die Klimadebatte aktuell zu kurz, so ist neben einem Systemwandel auch der Lebensstil von jedem Einzelnen entscheidend – jeden Tag kannst du eine Entscheidung treffen. Vor allem aber dürfen wir uns nicht von den zurzeit sinkenden CO2-Emissionen täuschen lassen – diese sind zwar positiv, aber eher Zufall als Strategie. 2020 darf kein Einmaleffekt bleiben. Und es ist nichts gewonnen, wenn du nach der Krise den Langstreckenflug oder die Kreuzfahrt nachholst. Warst du schon mal im Schwarzwald oder der sächsischen Schweiz? Touristen aus aller Welt fliegen jedes Jahr tausende Meilen, um diese schönen Orte in Deutschland zu entdecken. Durch Urlaub im eigenen Land schützt du nicht nur die Natur durch weniger CO2-Ausstoß, sondern lernst auch deine eigene Heimat besser kennen und lieben.

Noch nie waren Venedigs Kanäle klarer als während der Pandemie, die Natur erwacht wieder.[1] Aber was, wenn wir nach Covid-19 wieder so leben wie vorher? Diese kleinen Fortschritte müssen wir als Anreiz sehen, der Natur wieder mehr Respekt zu zollen – denn wie wir sehen, kann man in kurzer Zeit viel verändern. Du willst auch etwas für das Leben unter Wasser tun? Dann achte das nächste Mal beim Fischkauf auf Gütesiegel für nachhaltigen Wildfang und zertifizierte Aquakulturen. Einen guten Überblick findest du hier: www.label-online.de. Wenn du außerdem auf Einmalplastik verzichtest, trägst du dazu bei, dass die Meere weniger vermüllt und – wie momentan – wieder aufatmen können.

Spazieren gehen ist langweilig? Nicht in Corona-Zeiten. Wir erleben gerade eine ganz neue Wertschätzung für die Natur vor unserer Haustür. Das gibt Anlass über das massive Artensterben nachzudenken, denn was wäre das „draußen“ ohne Bienen, ohne Blumen, ohne Vogelgezwitscher? Hätten wir mehr Respekt für die Tierwelt, so hätte sich womöglich auch Covid-19 verhindern lassen können. Denn Forscher sind sich sicher, die Krankheit wurde auf einem chinesischen Tiermarkt auf den Menschen übertragen.[2] Jeder von uns sollte sich fragen, wie wir heute und nach der Krise mit Tieren umgehen wollen. Dazu gehört auch deinen eigenen Fleischkonsum kritisch zu hinterfragen. Zum Schutz der Tiere und zu unserem eigenen.

Krieg ist menschengemacht – Frieden ist menschlich. Auch wenn du nicht in der Lage bist einen globalen Waffenstillstand zu initiieren, kannst du die Welt um dich herum etwas friedlicher machen. Konflikte sind manchmal ganz nah: zuhause, auf der Straße, im Netz – oftmals bewaffnet durch Worte. Gerade in Zeiten von Corona und häuslicher Quarantäne steigt die Gefahr häuslicher Gewalt.[3] Solltest du gewalttätige Konflikte mitkriegen, werde sofort aktiv! Wähle die 110. Rat und Hilfe kannst du dir auch bei der „Nummer gegen Kummer“ für Kinder- und Jugendliche (116 111) [4] und Eltern (0800-1110550) sowie dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (08000-116016) holen. Auch wenn es hoffentlich nie dazu kommen wird, kannst du dir die Nummern für den Notfall ins Handy einspeichern.

Offene Grenzen, einheitliche Währung, Frieden und Menschenrechte – das sind nur einige der Vorteile der Europäischen Union (EU), die wir alle genießen.[5] In Zeiten der Corona-Pandemie erleben wir jedoch nationale Alleingänge und die Tendenz sich abschotten zu wollen. Letzteres dient zwar auch dem Kampf gegen die Ausbreitung des Virus, darf jedoch nicht die Solidarität in der EU gefährden. Gerade jetzt müssen wir gemeinsam handeln und kooperieren. Besonders der Austausch von Wissen, Medikamenten und Technologien sind bei einer Pandemie wichtig. Statt nur auf Deutschland zu schauen muss gerade jetzt die Gemeinschaft gestärkt werden. Was du dafür tun kannst? Du kannst dafür sorgen, dass die SDGs bekannter werden, indem du sie in den sozialen Netzwerken teilst. Und du kannst dabei den Fortschritt feiern, den wir bereits erreicht haben. Durch ehrenamtliches Engagement kannst du für eine bessere Gesellschaft sorgen und so Solidarität und Menschlichkeit stärken. Wenn uns allen dies gelingt, erwartet uns nach Corona eine bessere Welt.

Dieser Blogbeitrag soll weder die gesundheitlichen noch die gesellschaftlichen und ökonomischen Risiken und Belastungen ignorieren. Er soll aber Mut machen – Mut machen, dass zu Hause zu bleiben gar nicht so schlimm ist – Mut machen, dass wir auf dem richtigen Weg sind – Mut machen, dass an einem Tag ein neues und vielleicht auch besseres „Normal“ auf uns wartet

Einen weiterführenden Diskussionsimpuls findest du hier: Schostok, Dorothea (2020): Covid-19 im Licht der Sustainable Development Goals. Wuppertal Institut (Hrsg.)

Du hast Interesse an mehr? Hier findest du weitere Diskussionsbeiträge zur CoronaTransformation oder schau mal in den Zukunftsblog.

 

Quellen:

[1] Guardian News (2020): Dolphins and fish: nature moves into spaces left empty by Italian coronavirus quarantine. https://www.youtube.com/watch?v=jv0DLTVfwIc

[2] Deutsches Ärzteblatt (2020): Wissenschaftler beweisen, dass SARS-CoV-2 durch natürliche Selektion entstanden ist. Newsmeldung vom 19.03.2020. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/111184/Wissenschaftler-beweisen-dass-SARS-CoV-2-durch-natuerliche-Selektion-entstanden-ist

[3] UN News (2020): UN chief calls for domestic violence ‘ceasefire’ amid ‘horrifying global surge’. Mitteilung vom 06.04.2020. https://news.un.org/en/story/2020/04/1061052
Deutschlandfunk (2020): Covid-19. Häusliche Gewalt in Coronavirus-Pandemie – Frühwarnsysteme außer Kraft. https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-haeusliche-gewalt-in-coronavirus-pandemie.1939.de.html?drn:news_id=1118037
WEISSER RING (o. J.): WEISSER RING befürchtet deutliche Zunahme an Gewalttaten. https://weisser-ring.de/node/20767
Tagesschau (2020): Corona und häusliche Gewalt. "Man muss mit dem Schlimmsten rechnen“. Meldung 28.03.2020. https://www.tagesschau.de/ausland/corona-europarat-haeusliche-gewalt-pejcinovic-buric-101.html

[4] Das Elterntelefon ist unter 0800-1110550 zu erreichen. Für weiterführende Informationen zum Nummer gegen Kummer e. V., dem Dachverband des größten kostenfreien, telefonischen Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern in Deutschland siehe www.nummergegenkummer.de

[5] EU – Europäische Union (o. J.): Was die EU für ihre Bürgerinnen und Bürger tut. https://europa.eu/european-union/about-eu/what-the-eu-does-for-its-citizens_de

Verfasserinnen:

Dr. Dorothea Schostok & Franziska Nagel, Wuppertal Institut

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Dein – Mein – Unser Beitrag zu den SDGs während der Corona-Pandemie (Teil 2)

Vor fünf Jahren haben wir – die Vereinten Nationen – die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet. Diese sollen unsere Welt – unsere Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie – zu einer nachhaltigen Entwicklung befähigen. Ebendiese Welt blickt momentan neben der Klimakrise jedoch einer weiteren Krise ins Auge: Der Covid-19-Pandemie (Coronavirus, SARS-CoV-2). Ohne die Gefahren, Schicksale und Verluste zu ignorieren, fragen wir uns: Gibt es bei all´ den Einbußen und Verlusten auch positive Seiten? Können und sollten wir uns fragen: Was lernen wir? Was können wir selber tun? In diesem Licht diskutieren wir die Covid-19-Pandemie entlang der 17 SDGs, primär mit Blick auf Deutschland. Hier beschäftigen wir uns nun mit den Zielen 6 bis 12.

Händewaschen – unsere neue Lieblingsbeschäftigung? Wenn wir eine Sache aus der Corona-Pandemie lernen, dann ist es wohl wie man sich richtig die Hände wäscht. Nie zuvor waren wir so sensibilisiert über die Hygienemaßnahmen, die im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus so wichtig sind. Wir befinden uns in Deutschland in der glücklichen Lage ausreichend sauberes Wasser und Seife zu haben. Leider sieht das in vielen anderen Ländern anders aus: Weltweit können sich schätzungsweise drei Milliarden Menschen zu Hause nicht richtig die Hände waschen – es fehlt schlichtweg an fließendem Wasser und Seife.[1] Hier ist vor allem finanzielle, infrastrukturelle und logistische Hilfe notwendig. Du willst helfen? Auf Spendenplattformen wie z. B. betterplace.org gibt es viele Kampagnen zur Corona-Nothilfe, die du unterstützen kannst. Hier macht dein Geld wirklich einen Unterschied.

https://www.betterplace.org/de/discover-projects?q=seife&categoryId=55

Über die Hälfte der Stromerzeugung in Deutschland kommt aus erneuerbaren Energieträgern.[2] Das ist ein erfreuliches Ergebnis im Hinblick auf die Klimaziele. Jedoch werden aktuell Stimmen laut, die für die Dauer der Corona-Pandemie die Förderung erneuerbarer Energien (EE) ablehnen.[3] Klar ist aber, einer zukunftsträchtigen Industrie erheblichen Schaden zuzufügen ist eindeutig der falsche Weg. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht EE sogar als zentrales Mittel, um die Konjunktur in Zeiten der Pandemie anzukurbeln. Anstatt die Schäden der Pandemie noch zu verschlimmern, sollte die Krise zur nachhaltigen Neujustierung unseres Energie- und Wirtschaftssystems genutzt werden.[4] Das gilt auf Regierungsebene ebenso wie im privaten Leben. Du wolltest schon lange den Stromanbieter wechseln und grünen Strom beziehen? Dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt!

Was bedeutet für dich Wohlstand? Ein hohes Bruttoinlandsprodukt? Oder doch eher Gesundheit, Familie und Glück? Als Antwort auf die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise haben sich Bund und Länder auf ein 600 Mrd. Euro „Corona-Schutzschild“ geeinigt[5]. Eine Menge Geld, die Verteilung ist aber noch nicht abschließend geklärt. Klar ist jedoch: Nicht-klimaneutrale Investitionen führen langfristig zu noch größeren Schäden, weshalb wir gerade jetzt ein Zusammendenken des Dreiklangs Pandemie, Klima und Soziales brauchen. Denn Geld alleine macht uns nicht glücklich. Du findest keinen Studenten-Job in der Gastro? Versuche es als Erntehelfer! Online-Portale wie www.daslandhilft.de und www.saisonarbeit-in-deutschland.de zeigen wo helfende Hände gebraucht werden. In deiner Nachbarschaft fällt Gartenarbeit an? Durch simple Taten der Solidarität kannst auch du in Covid-19-Zeiten etwas für deinen eigenen Wohlstand und den deiner Mitmenschen tun.

Bist auch du wegen der Covid-19-Pandemie im Home Office? Durch den digitalen Wandel haben wir die Möglichkeit unsere Arbeitswelt in Sachen Nachhaltigkeit deutlich zu verbessern. [6] Statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und zu Meetings zu fliegen nutzen wir Tele- und Videokonferenzen und stellen fest: So arbeitet es sich sogar teils effizienter. Und auch zuhause führt die Corona-bedingte Schließung vieler Läden dazu, dass wir kreativer werden. Hast du nicht auch dieses eine DIY-Projekt, was du schon immer angehen wolltest? Oder die Jeans, die eigentlich nicht mehr cool ist und der du jetzt einen Used-Look verpassen willst? Die Pandemie zwingt uns neu zu denken und schnell fällt auf: es geht auch anders - es geht auch nachhaltiger.

Risikogruppen wegsperren? Die Bunderegierung hat sich klar gegen eine zweigeteilte Gesellschaft ausgesprochen, denn gerade in Zeiten einer Pandemie ist Solidarität und Zusammenhalt essentiell: Infektionsketten durchbrechen um andere zu schützen und denjenigen Dank zollen, die in erster Reihe gegen das Virus kämpfen. Du willst anderen Menschen Mut machen und Solidarität zeigen? Auf Instagram kannst du dies z. B. mit den Hashtags #wirbleibenzuhause und #stayathome tun. Oder du schaust, ob dein Lieblingscafé Gutscheine verkauft, die du nach dem Virus einlösen kannst. Eine Welt, die in dieser Zeit unsere Menschlichkeit erfährt, wird uns nach der Pandemie mit offenem Armen wiederempfangen.

Kein Straßenlärm, keine Staus und bessere Luftqualität – als Städter fast undenkbar. Doch die Reiseeinschränkungen in der Coronakrise haben sowohl in Deutschland als auch international durch den starken Rückgang von Flug- und Schiffverkehr einen äußerst positiven Effekt auf Natur und Umwelt. Auch wenn nun vielleicht ein lange geplanter Urlaub ausfällt, so bietet dir diese Pandemie doch die Möglichkeit deinen Lebensstil zu hinterfragen, unnötige (Geschäfts-)reisen auch in Zukunft zu reduzieren und wieder die Schönheit der heimischen Natur mit ihren Wäldern, Seen und Bergen zu entdecken – vielleicht sogar mit dem Rad? Falls du noch keins hast, kannst du online günstig gebrauchte Fahrräder finden. Damit kannst du dann deine Umgebung erkunden und nach der Pandemie zur Arbeit düsen – macht fit, spart Geld und du tust was für das Klima in deiner Stadt. Win-win-win-Situation!

Shoppen als Hobby – Covid-19 führt uns gerade deutlich vor Augen, was wir wirklich brauchen und was nicht. Der Einzelhandel ist zum Teil noch eingeschränkt, Kleidung und Co. vermehrt übers Internet zu bestellen. Partys, Konzerte und Festivals sind abgesagt. Vielleicht bleibt auch bei dir am Monatsende nun mehr Geld übrig als sonst. Was tun mit dem Gesparten? In Zeiten des Überflusses, langen Lieferketten und Dumpinglöhnen müssen wir uns fragen, wie wir unsere Bedürfnisse in Zukunft befriedigen wollen. Trotz der Pandemie sind wir in Deutschland gut versorgt und können uns „den Luxus“ erlauben Nachhaltigkeit und Regionalität als Kaufkriterien einzubeziehen. Schau doch mal bei den kleinen Läden in deiner Umgebung nach – viele haben in Zeiten der Krise Online-Shops eingerichtet und freuen sich über jede Unterstützung.

Dieser Blogbeitrag soll weder die gesundheitlichen noch die gesellschaftlichen und ökonomischen Risiken und Belastungen ignorieren. Er soll aber Mut machen – Mut machen, dass zu Hause zu bleiben gar nicht so schlimm ist – Mut machen, dass wir auf dem richtigen Weg sind – Mut machen, dass an einem Tag ein neues und vielleicht auch besseres „Normal“ auf uns wartet

Einen weiterführenden Diskussionsimpuls findest du hier: Schostok, Dorothea (2020): Covid-19 im Licht der Sustainable Development Goals. Wuppertal Institut (Hrsg.)

Du hast Interesse an mehr? Hier findest du weitere Diskussionsbeiträge zur CoronaTransformation oder schau mal in den Zukunftsblog.

 

Quellen:

[1] Vereinte Nationen (2019): The Sustainable Development Goals Report 2019. https://unstats.un.org/sdgs/report/2019/

[2] Fraunhofer ISE (2020): Täglicher Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland in 2020. https://www.energy-charts.de/ren_share_de.htm?source=ren-share&period=daily&year=2020

[3] Deutscher Bundestag (Hrsg., 2020): Aussetzen von Klimaschutzmaßnahmen. Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit/Antrag - 25.03.2020 (hib 325/2020). https://www.bundestag.de/presse/hib/689194-689194

[4] IEA – International Energy Agency (Hrsg., 2020): Put clean energy at the heart of stimulus plans to counter the coronavirus crisis. Autor: Fatih Birol, Executive Director IEA. 14.03.2020. https://www.iea.org/commentaries/put-clean-energy-at-the-heart-of-stimulus-plans-to-counter-the-coronavirus-crisis

[5] BMF – Bundesministerium der Finanzen (2020): Corona-Schutzschild. Kampf gegen Corona: Größtes Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands. Mitteilung vom 27.03.2020. https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-13-Milliarden-Schutzschild-fuer-Deutschland.html;jsessionid=207532AEDA3C2E1DCB333EABA7F1A51B.delivery2-replication

[6] WBGU – Wissenschaftlicher Beirat für Globale Umweltfragen (2019): Unsere gemeinsame digitale Zukunft. Kernaussagen. https://www.wbgu.de/fileadmin/user_upload/wbgu/publikationen/factsheets/fs7_2019/wbgu_fs1-2019.pdf. Hauptgutachten: https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/unsere-gemeinsame-digitale-zukunft

Verfasserinnen:

Dr. Dorothea Schostok & Franziska Nagel, Wuppertal Institut
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Dein – Mein – Unser Beitrag zu den SDGs während der Corona-Pandemie (Teil 1)

Vor fünf Jahren haben wir – die Vereinten Nationen – die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) verabschiedet. Diese sollen unsere Welt – unsere Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie – zu einer nachhaltigen Entwicklung befähigen. Ebendiese Welt blickt momentan neben der Klimakrise jedoch einer weiteren Krise ins Auge: Der Covid-19-Pandemie (Coronavirus, SARS-CoV-2). Ohne die Gefahren, Schicksale und Verluste zu ignorieren, fragen wir uns: Gibt es bei all´ den Einbußen und Verlusten auch positive Seiten? Können und sollten wir uns fragen: Was lernen wir? Was können wir selber tun? In diesem Licht diskutieren wir die Covid-19-Pandemie entlang der 17 SDGs, primär mit Blick auf Deutschland. Wir starten in diesem ersten Teil mit den Zielen 1 bis 5.

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen durch die Coronakrise“ – eine Utopie? Nicht erst seitdem die Folgen der Covid-19-Pandemie – Kurzarbeit, Kündigungen, Umsatzeinbußen – viele Menschen in finanzielle Notlagen bringen[1], gibt es in Deutschland Forderungen für eine bedingungslose Grundsicherung. Profitieren würden vor allem Alleinerziehende, aber auch Selbstständige, Freiberufler und Künstler. Denn trotz deiner Spotify-Mitgliedschaft fällt es den Musikern oft schwer von ihrer Arbeit zu leben. Wenn du gerade Zeit übrighast, informiere dich doch mal über Kampagnen wie diese und, wenn du willst, unterzeichne. Denn wann, wenn nicht jetzt, lassen sich transformative Ideen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen besser testen? Die Pandemie ist auch eine Chance für die Transformation und jede Stimme zählt.

Hunger als existentielle Bedrohung kennen in Deutschland die Wenigsten, die Lebensmittelversorgung ist auch heute gesichert. Dennoch erfreut sich das Thema Hamsterkäufe großer medialer Beliebtheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel findet dafür klare Worte: „Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch“.[2] Also: Statt Klopapier zu bunkern freue dich über die Möglichkeit weiterhin frische und gesunde Produkte kaufen zu können und deine Kochkünste zu perfektionieren – die nächste Dinner-Party kommt bestimmt! Und wer weiß, es wäre doch schön, wenn die Lust auf Selbstgekochtes auch in Zukunft bleibt und wir älteren Nachbarn auch nach Ende der Pandemie den ein oder anderen Einkauf abnehmen.

 

Dein Fitnessstudio hat zu, der Tennisverein ist geschlossen? Gerade in Zeiten der Pandemie rücken Gesundheit und Wohlergehen in unseren Fokus. Wir entwickeln im Moment eine neue Wertschätzung gegenüber den im Gesundheitssystem Beschäftigten und sind gleichzeitig gezwungen unsere Lebensstile zu überdenken. Und genau hier liegt die Chance zum Reflektieren, Priorisieren und Besinnen. Was ist mir wichtig, mit wem oder was möchte ich meine Zeit verbringen? Ist es die Autofahrt zum Fitnessstudio wert, um dort auf dem Laufband zu rennen, oder fühlt sich das Training im Freien sogar viel besser an? Waldspaziergänge, das häufig verfluchte Joggen sowie Online-Fitnessangebote sind ideale Wege auch in Zeiten von Covid-19 den Körper fit und das Immunsystem stark zu halten. Damit hilfst du vor allem deiner eigenen Gesundheit, aber auch das Gesundheitssystem wird durch Präventivmaßnahmen wie Sport entlastet. Und durch den geringeren Ressourcenaufwand schützt du gleichzeitig noch das Klima. Also, Turnschuhe an und los!

Kindergärten und Schulen sind zu, Nachhilfe fällt aus, die Uni findet nur online statt – führt die Covid-19-Pandemie zum Brachliegen der Bildung? Im Gegenteil! Seitdem klar ist, dass in Zeiten des Coronavirus kein normaler Betrieb der Bildungseinrichtungen möglich ist, erfinden diese sich und ihr Angebot fortwährend neu. Die Digitalisierung der Bildungsinfrastruktur, für die die Bundesregierung bis 2025 fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellt[3], erfährt im Moment einen rasanten Entwicklungsschub und es kann davon ausgegangen werden, dass die Krise als Katalysator für kreative Lösungen wirkt. Auch wenn die Pandemie eine enorme Herausforderung für das Bildungssystem darstellt, so ist die Mühe groß durch e-Learning-Plattformen möglichst alle Schulkinder, Studierende und Erwachsene durch diese Zeit zu geleiten. Falls du Kinder oder Geschwister hast, die momentan nicht zur Schule gehen können, informiere dich doch auch mal bei außerschulischen Institutionen über digitale Lernangebote. Hier können momentan sogar häufig mehr Kinder daran teilhaben als gewöhnlich (z. B. bei „Junior Uni DigiTal“[4]), was dich oder deine Eltern entlasten könnte.

Minutenlanger Applaus und Jubel auf leeren Straßen – damit ehren im Moment in vielen Ländern die Menschen das medizinische Personal und all´ die anderen helfenden Hände. Aber wem danken wir hier eigentlich? In Deutschland liegt der Anteil von Frauen am Gesundheitspersonal bei über 75 Prozent.[5] Hinzu kommt, dass Frauen täglich etwa dreimal so viel Zeit wie Männer mit unbezahlter Pflege- und Hausarbeit verbringen.[6] Unfair? Ja! Denn so werden Frauen nicht nur ökonomisch benachteiligt, sondern erfahren in Zeiten der Pandemie auch eine starke Mehrfachbelastung. Was können wir tun? Liebe Frauen: Seid mutig im Hinblick auf eure Karriereplanung – wir brauchen mehr weibliche Virologen, Chefärzte, Politiker und Führungskräfte. Go for it! Durch ihre mediale Präsenz könnte man gerade meinen, Deutschlands Expertenriege bestehe nur aus Männern – und tatsächlich, die Chefetagen hierzulande sind immer noch überwiegend männlich.[7] Die Krise macht uns dies deutlich, nutzen wir diese Erkenntnis: Unterstütze die Frauen in deiner Familie, deinem Freundeskreis, deinem Netzwerk. Und achte einmal darauf, wie oft du im Alltag versteckten Sexismus erlebst - oder vielleicht selbst Dinge sagst, die eigentlich in ein anderes Jahrhundert gehören.

 

Dieser Blogbeitrag soll weder die gesundheitlichen noch die gesellschaftlichen und ökonomischen Risiken und Belastungen ignorieren. Er soll aber Mut machen – Mut machen, dass zu Hause zu bleiben gar nicht so schlimm ist – Mut machen, dass wir auf dem richtigen Weg sind – Mut machen, dass an einem Tag ein neues und vielleicht auch besseres „Normal“ auf uns wartet

Einen weiterführenden Diskussionsimpuls findest du hier: Schostok, Dorothea (2020): Covid-19 im Licht der Sustainable Development Goals. Wuppertal Institut (Hrsg.)

Du hast Interesse an mehr? Hier findest du weitere Diskussionsbeiträge zur CoronaTransformation oder schau mal in den Zukunftsblog.

 

Quellen:

[1] Deutschlandfunk (2020): Covid-19. Heil: Kurzarbeitergeld wirkt – mehr als 470.000 Anzeigen. Meldung vom 31.03.2020. https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-heil-kurzarbeitergeld-wirkt-mehr-als-470-000.1939.de.html?drn:news_id=1116112

[2] Bundesregierung (2020): Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975232/1732182/d4af29ba76f62f61f1320c32d39a7383/fernsehansprache-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-data.pdf?download=1

[3] BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung (2019): Was ist der DigitalPakt Schule? https://www.digitalpaktschule.de/de/was-ist-der-digitalpakt-schule-1701.html

[4] https://www.junioruni-wuppertal.de/de/1772/angebot/junior-uni-digital/

[5] Statistisches Bundesamt (2020): Gesundheitspersonal: Deutschland, Jahre, Einrichtungen, Geschlecht. https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?sequenz=tabelleErgebnis&selectionname=23621-0001&zeitscheiben=10

[6] Vereinte Nationen (2019): The Sustainable Development Goals Report 2019. https://unstats.un.org/sdgs/report/2019/

[7] Hensel, Jana (2020): Die Krise der Männer. Artikel vom 13.04.2020 in Zeit. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/gleichberechtigung-coronavirus-maenner-frauen-wissenschaftler-politiker-systemrelevante-berufe

Verfasserinnen:

Dr. Dorothea Schostok & Franziska Nagel, Wuppertal Institut
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von Wuppertal Institut

Johann & Mathilda fragen nach(haltig)

Eine Videoreihe der Universität Göttingen zu nachhaltiger Entwicklung und Sustainable Development Goals

Mit innovativen und spannenden Videos über universitäre Forschung informiert die Universität Göttingen junge Menschen über alltägliche Nachhaltigkeitsthemen und die SDGs.

Am Beispiel von drei Forschungsprojekten sollen insbesondere Schüler*innen und Studierende über gesellschaftsrelevante Nachhaltigkeitsprobleme in der Landwirtschaft und die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen informiert werden. Die Themen der Videos sind die Erzeugung von Fisch, Geflügel und Tomaten und wie diese nachhaltiger gestaltet werden kann. Je Forschungsprojekt wurden zielgruppenspezifisch zwei unterschiedliche Videos gedreht: Während sich „Johann fragt nach(haltig)“ in erster Linie an Studierende richtet, spricht „Mathilda fragt nach(haltig)“ insbesondere Schüler*innen und das jüngere Publikum an. Die Videos regen dabei, ganz im Sinne der Leitidee von Bildung für nachhaltige Entwicklung, zu zukunftsfähigem und reflexivem Denken und Handeln an. Sie können sowohl im Schulunterricht als auch zur allgemeinen Wissenschaftskommunikation eingesetzt werden und verknüpfen universitäre Forschung mit schulischer Bildung. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die Videos als Lehrmaterial auf dem BNE-Portal veröffentlicht, wodurch Lehrkräfte leicht auf diese zugreifen und sie in den Unterricht integrieren können.

Die sechs Videos sind über die Youtube-Playlist abrufbar. Sie wurden produziert vom Green Office der Universität Göttingen in Kooperation mit der Fakultät für Agrarwissenschaften und gefördert durch den Rat für Nachhaltige Entwicklung.

Johann fragt nach(haltig): Wie nachhaltig ist Aquakultur?

Verfasser & Ansprechpartner:

Marco Lange

Leiter Green Office und Koordinator Nachhaltigkeit

Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Tel: +49 (0) 551 39 21356

E-Mail: marco.lange@zvw.uni-goettingen.de

Website: http://www.uni-goettingen.de/nachhaltigkeit

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von Gast-Autor

Jeden Tag eine gute Tat

NachhaltICH – Die App für die Zukunft

Nachhaltige Entwicklung ist in aller Munde – Klimaschutz. Insektensterben oder unsere ausbeuterischen Konsummuster. Dabei wird es immer schwieriger, den Durchblick zu behalten: Was ist wirklich nachhaltig und wo fange ich an? Wie hängt mein individuelles Handeln mit weltweiter nachhaltiger Entwicklung zusammen?

Die NachhaltICH App unterstützt dich dabei, nachhaltige Gewohnheiten spielerisch in deinen Alltag einzubauen. Schritt für Schritt absolvierst du kleinere und größere Challenges, die dir zeigen, wie du nachhaltiger leben kannst. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Versuch, eine Woche lang vegetarisch zu leben, dich für mehr Barrierefreiheit in deiner Nachbarschaft einzusetzen oder ein kreatives Upcycling-Projekt durchzuführen? Für jede absolvierte Challenge erhältst du eine Belohnung und siehst, wie du zu einem positiven Zukunftsbild beiträgst - Challenge für Challenge!

NachhaltICH orientiert sich an der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG). Jede Challenge ist einzelnen SDG zugeordnet. Während du die Challenges absolviert, kannst du dich über die verschiedenen Ziele informieren. Die Challenges und Informationen machen Lust, weiterzumachen, weil positive Veränderungen sichtbar gemacht werden. Frust und Überforderung haben hier keinen Platz.

Du hast keine Lust alleine zu starten? Kein Problem! In NachhaltICH kannst du dich mit Freundinnen und Freunden vernetzen. Ihr könnt Fortschritte vergleichen und euch gegenseitig zu einem noch nachhaltigeren Leben ermutigen. Außerdem besteht die Möglichkeit, selbst kreativ zu werden und eigene Challenges zu erstellen. Auf der TOUR DER NACHHALTIGKEIT kannst du dich außerdem mit Gleichgesinnten über ein nachhaltiges Leben austauschen. Erstelle nachhaltige Produkte, die du nach Hause mitnehmen kannst und lerne in spannenden Workshops mehr über das Thema Nachhaltigkeit.

Worauf wartest Du noch? Probiere es doch einfach selbst! Die App steht ab sofort als Download im App Store, Google Playstore oder unter www.nachhaltich-app.de zur Verfügung.

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von GiZ - Christoph Ziegler

Willkommen auf dem #17Ziele-Blog!

Die Tour der Nachhaltigkeit startet in Kürze und bringt die Themen der Agenda 2030 auf vielfältige Weise in die Städte und Regionen, die Teil der Tour sind.  Auf diesem Blog wird über die Tour der Nachhaltigkeit berichtet, genauso wie über aktuelle Entwicklungen, Veranstaltungen oder Neuigkeiten aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele.

Viel Spaß beim Lesen!

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von Engagement Global - #17Ziele
Tu Du's

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