Zusammen dem Druck standhalten: Entwicklungspolitik in Krisenzeiten
Die USA steigen aus, das Geld ist knapp und die Wirtschaft schwächelt – es gibt Gründe, warum die 17 Ziele aktuell nicht ganz oben auf der Agenda stehen. Dabei geben sie uns genau die Werkzeuge an die Hand, um jetzt mit globalem Zusammenhalt diese Krisen nachhaltig zu bewältigen. Und das fängt oft direkt vor der eigenen Haustür an: Bei den Städten und Gemeinden.
- Werde Fördermitglied bei Hilfsorganisationen, die sich für das Wohl der Menschen weltweit einsetzen.
- Engagier dich in Friedensinitiativen wie dem ZFD.
- Sei laut für die, die keiner hört. Sei weltoffen, zeig Zivilcourage, schau nicht weg!
- Steh auf gegen Rechtspopulismus.
- Unterstütze Migrant*innen und Geflüchtete in deiner Kommune – für ein buntes Stadtbild, mehr Diversität und Inklusion in deiner Nachbarschaft.
- Engagier dich in Vereinen für kommunale Partnerschaften. Gründe/engagier dich in Schulpatenschaften.
- Und wie immer: Mache die Werte und Inhalte der 17 Ziele zum Gesprächsthema! An Weihnachten und an allen anderen Tagen im Jahr.
Zusammen arbeiten für Entwicklung – alles Wichtige steckt schon im Wort Entwicklungszusammenarbeit. Wie sich die Welt dabei entwickeln soll, hat die Staatengemeinschaft 2015 in den 17 Zielen festgelegt: gerecht, nachhaltig und ohne Armut oder Hunger. Da, wo Menschen und Staaten zusammenarbeiten, rückt diese Vision näher – das haben die vergangenen zehn Jahre immer wieder gezeigt. Leider wackelt dieser Zusammenhalt aktuell.
Im Juli 2025 ist es offiziell: Der US-Außenminister Marco Rubio gibt bekannt, das USAID aufgelöst wird.1 Die Behörde, die die US-Entwicklungszusammenarbeit steuert und weltweit neben der EU der größte und wichtigste Akteur in diesem Bereich ist, bricht plötzlich weg. Schnell wird die Welt erinnert, wie wichtig es ist, dass gerade starke Staaten wie die USA Verantwortung übernehmen.
US-Rückzug mit dramatischen Folgen
Handel statt Hilfe und Investments statt Unterstützung rufen die USA stattdessen aus – und vergessen dabei Millionen Menschen, die weiterhin Hilfe und Unterstützung brauchen. Mit direkten Folgen: Essens-Rationen für Geflüchtete werden kleiner, medizinische Versorgung fällt weg, Bildungsprojekte und Schulen müssen schließen.
Eine Studie geht davon aus, dass Millionen Erwachsene und Kinder bis 2030 sterben werden, wenn die Leistungen ersatzlos wegfallen.2
Und es sind nicht nur die USA – viele traditionelle Geber-Länder wie Frankreich und Großbritannien kürzen ihre Gelder.3 Darin zeigt sich eine breitere Entwicklung, die auch Deutschland betrifft. Gerade wenn es wirtschaftlich nicht gut läuft, wenn die Stimmung schlechter wird und die Angst vor dem eigenen Abstieg wächst – dann sinkt auch die Bereitschaft, anderen zu helfen. Es ist kein Zufall, dass Trump sich USAID als eines seiner ersten Einspar-Ziele vorgenommen hat: Er musste nicht mit viel Gegenwind im eigenen Land rechnen. „America First“ macht auch vor humanitärer Hilfe nicht Halt.
Mehr Deutsche stellen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in Frage
Mit dem Rückzug der USA ist Deutschland jetzt in vielen Bereichen der größte Geber, aber „weder Deutschland noch Europa können die Lücke füllen“, so die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan.4 Stattdessen steht auch in Deutschland die EZ unter Druck – im vergangenen Jahr sank sie um fünf Milliarden Euro. Zum ersten Mal seit 2019 lag sie unter 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, wie es in den 17 Zielen festgelegt ist (Ziel 17).
Und immer mehr Deutsche finden das richtig: Nur 47 Prozent sind 2024 für gleichbleibende oder erhöhte EZ-Ausgaben, 2022 waren es noch 68 Prozent. Angesichts zahlreicher Krisen wie dem Ukraine-Krieg oder der anhaltenden Wirtschaftsflaute empfinden viele Menschen Hilfsgelder für andere Ländern als eine untragbare Zusatzbelastung. Jeder Fünfte findet, bei den Ausgaben für EZ kann am ehesten gekürzt werden.5
Ausgaben werden deutlich überschätzt
Ein Grund könnte sein, dass viele Menschen glauben, dass hier sehr große Summen für andere Länder ausgegeben werden. Im Schnitt schätzen Befragte, dass für EZ rund 10 Prozent des Bruttonationaleinkommens ausgegeben werden – tatsächlich sind es unter 0,7 Prozent.6 Und selbst davon geht nur ein Teil wirklich ins Ausland. Denn auch die Leistungen für Geflüchtete in Deutschland zählen dazu und machen allein 20 Prozent des Budgets aus.7
Populistische Strömungen stärken dabei die Stimmen gegen internationale Zusammenarbeit. Ein Teil der Bevölkerung will, dass wir uns um die eigenen Probleme kümmern, statt um die von anderen. Dazu passt, dass die Bekämpfung von Fluchtursachen für 43 Prozent eins der überzeugendsten Argumente für EZ ist.8 Aber: Insgesamt hat EZ immer noch einen breiten Rückhalt – 63 Prozent finden sie grundsätzlich richtig.
Globale Probleme global lösen
Vieles was in der Entwicklungspolitik passiert, fühlt sich extrem weit weg an. Dabei arbeitet sie an Problemen und Herausforderungen, die alle Menschen verbinden. Die 17 Ziele sind dabei der Leitfaden für die Welt, wie die zentralen Themen angegangen werden sollen. Jedes dieser Ziele hat ganz konkrete Auswirkungen in und für Deutschland: Vom Konsum jedes einzelnen über den Kampf gegen den Klimawandel bis zur Handelspolitik der Regierung. Wir tragen als Menschen Verantwortung füreinander, das gilt für Staaten und Unternehmen wie für jeden Einzelnen. Echter Zusammenhalt bedeutet deshalb auch anzuerkennen, dass Rechte und Chancen global sehr ungerecht verteilt sind – und wir gemeinsam etwas dagegen tun können und sollten.
Um die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, muss die Welt gerechter gestaltet werden. Neben politischer Zusammenarbeit - wie bei der Klimakonferenz - braucht es dazu Geld. Den Entwicklungsländern fehlen jährlich vier Billionen Dollar um die Agenda 2030 umzusetzen.9 In Ziel 17 ist deshalb festgelegt, wie wir global auf Augenhöhe zusammenarbeiten müssen, um gemeinsam erfolgreich zu sein.
Übersicht der Angebote von Engagement Global
Für Jugendliche und junge Erwachsene:
Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm
Freiwilligendienst mit Weltwärts
Austauschprogramme über das Deutsch-Afrikanische Jugendwerk
Nachhaltige Entwicklung in den Unterricht aufnehmen
Für Lehrkräfte und Multiplikator*innen:
Förderprogramme für Vereine der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit:
Kommunale Entwicklungszusammenarbeit:
Globale Probleme lokal lösen
Die großen Herausforderungen zeigen sich im Kleinen oft besonders deutlich.
Global denken, lokal handeln!“
Diese Idee rief schon die erste Klimakonferenz 1992 in Rio aus: Während das große Ganze schwer zu greifen ist, kann vor Ort aktiv ein Unterschied gemacht werden. Deshalb sind die Kommunen besonders wichtig für die Umsetzung der Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung.
Städte und Gemeinden sind der Ort, wo Menschen direkt mit Themen in Berührung kommen. Über Städtepartnerschaften entstehen direkte Kontakte, an Schulen erleben Schüler*innen nachhaltige Projekte. Ein Lieferkettengesetz ist schwer vorstellbar – aber wenn die neuen Feuerwehruniformen fair beschafft werden, gibt das vor Ort ein gutes Gefühl. Die Kommunen haben dabei einen großen Einfluss: Wenn sie fair und nachhaltig einkaufen, verändert sich etwas.
Ein globales Netz schaffen
Veränderung bleibt so auch unter schwierigeren Bedingungen möglich. Engagement Global unterstützt die vielen engagierten Menschen in deutschen Kommunen deshalb über die Servicestelle Kommunen in der einen Welt – unter anderem beim Aufbau kommunaler Partnerschaften mit Städten im globalen Süden oder in Krisenregionen wie der Ukraine, aber auch mit Geld, um Ideen und Projekte umzusetzen.
Es sind vor allem diese lokalen Impulse, die Entwicklungszusammenarbeit lebendig machen. Wer selbst mitbekommt, wie die 17 Ziele sich vor Ort auswirken; wer Menschen im globalen Süden kennt, die bei vielen Themen besonders betroffen sind – der kann diese Ideen am besten weitertragen. So entsteht ein Netz aus Solidarität und Verantwortung, das politische Verschiebungen ein Stück weit auffangen kann.
Für mehr Inspiration und Anregungen, folge uns auf Instagram @17Ziele.de
Autor: Philipp Brandstädter
Autor: Philipp Brandstädter
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.