COP30: Die Welt wieder auf (Klima-)Kurs bringen
Noch fünf Jahre, dann sollen die 17 Ziele der Agenda 2030 erreicht sein. Ein Bereich betrifft direkt mehrere der Ziele: Der Kampf gegen den Klimawandel. In den vergangenen Jahren ist zwar viel passiert, aber gleichzeitig ist die Weltgemeinschaft weit hinter ihren selbst gesetzten Ansprüchen zurückgeblieben. Die 30. Klimaschutzkonferenz in Brasilien soll neuen Schwung in die internationale Klimapolitik bringen.
„Wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben!“ Stolz feiert Umweltministerin Barbara Hendricks 2015 das Abkommen bei der Klimakonferenz in Paris – trotz vieler kritischer Stimmen gilt es als Meilenstein. Zum ersten Mal einigen sich die Staaten der Welt auf ein klares Ziel bei der Klimapolitik: nicht mehr als 1,5 Grad Erderwärmung. (Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.)
Zehn Jahre später herrscht Ernüchterung: Die internationale Gemeinschaft ist weit von ihren selbst gesetzten Zielen entfernt. Noch in diesem Jahrzehnt könnte die globale Erwärmung über die 1,5 Grad steigen, die in Paris als Obergrenze definiert wurden – und es wird nicht besser: Laut UN ist die Welt aktuell auf Kurs Richtung 2,8 Grad Erwärmung im Laufe dieses Jahrhunderts.
Alle hoffen auf Belém
In Belém, mitten im Amazonas, soll jetzt nachjustiert werden – da die USA nicht teilnehmen, müssen andere mehr Verantwortung übernehmen. Das könnte die EU sein, China oder Gastgeber Brasilien. Doch vielen Ländern ist es gerade wichtiger die schwächelnde Wirtschaft anzustoßen, als ehrgeizige Klimaziele zu entwerfen – das hat sich deutlich bei den schwierigen Verhandlungen in der EU gezeigt, um im Vorfeld des COP30 verbindliche Klimaschutz-Zusagen auszumachen.
Diese schleppenden Prozesse können entmutigend wirken, aber das Pariser Abkommen zeigt auch: Veränderung ist möglich. Denn 2015 lagen die Prognosen noch bei 3 bis 3,5 Grad Temperaturanstieg – es ist also trotz aller Rückschläge und Verzögerungen einiges passiert. Die CO2-Emmissionen wurden reduziert, die Erneuerbaren Energien weltweit ausgebaut und weniger öffentliche Gelder sind in fossile Brennstoffe geflossen.
Der globale Süden braucht Unterstützung
Wegweisende Fortschritte sind auch jetzt möglich. In Belém wird es unter anderem darum gehen, den Kampf gegen den Klimawandel gerechter zu gestalten. Die reichen Industrieländer stehen dabei in der Pflicht die ärmeren Länder im globalen Süden zu unterstützen.
Die meisten Entwicklungs- und viele Schwellenländer können die notwendigen Veränderungen für mehr Klimaschutz nicht allein bezahlen. Vor allem, da parallel die Kosten steigen, um die Klimawandel-Folgen zu bewältigen. Bisher sind die Selbstverpflichtungen der reichen Länder zu unkonkret und zu niedrig – obwohl sie hauptverantwortlich für den menschengemachten Klimawandel sind.
Klimawandel und die 17 Ziele
Doch am Ende trifft die Klimakrise alle. Während es die ärmeren Länder aktuell am härtesten trifft, ist Europa beispielsweise die Weltregion, in der die Temperaturen am schnellsten ansteigen. Ohne Klimaschutz ist nirgendwo auf der Welt eine nachhaltige Entwicklung möglich.
Der Erfolg der Klimakonferenz hängt deshalb direkt mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung zusammen. Neben dem zentralen Ziel zum Klimaschutz, dem Ziel 13, sind auch viele andere Ziele und Unterziele betroffen. Einige Beispiele:
Ziel 1: Keine Armut
Die Folgen des Klimawandels treffen die ärmsten Länder und die Menschen dort überproportional hart. Gründe sind unter anderem häufigere Naturkatastrophen oder steigende Lebensmittelpreise. Bis 2030 könnten dadurch mehrere Millionen Menschen zusätzlich in Armut abrutschen.
Ziel 2: Kein Hunger
Das sich verändernde Klima wirkt sich auf die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen aus. Klimaschocks wie Dürren und Überschwemmungen zerstören die Ernten. Das trifft vor allem die ärmsten Länder, aber auch in Deutschland gehen Forscher von noch weiter steigenden Lebensmittel-Preisen aus.
Ziel 8: Wirtschaftswachstum
Die wachsenden Unsicherheiten durch den Klimawandel haben weltweit Folgen für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. In Deutschland rechnen Wissenschaftler*innen in einem Szenario für 2050 mit einem BIP-Verlust von 660 Milliarden Euro durch die Folgen des Klimawandels.
Ziel 11: Nachhaltige Städte & Gemeinden
Städte trifft die zunehmende Hitze besonders. Viel Beton, wenig Wasser und Grün – das sorgt schon jetzt regelmäßig für Hitzestress in vielen Großstädten. Das beeinträchtig die Gesundheit der Bewohner und strapaziert die Infrastruktur. Die Kosten für die notwendigen Gegenmaßnahmen sind hoch.
Ziel 14: Leben unter Wasser
Die Meere erwärmen sich mit gravierenden Folgen. Denn je wärmer sie werden, desto weniger Kohlenstoff können sie aufnehmen. Genau diese Fähigkeit der Meere schwächt die Erderwärmung bisher ab. Und: Wichtige Ökosystem wie tropische Korallenriffe drohen schon jetzt größtenteils abzusterben.
Alleine geht es nicht
Alle sind betroffen und keiner ist stark genug, das Problem allein zu lösen. Als Weltgemeinschaft gemeinsame Wege zu finden, ist ein langwieriger und schwieriger Prozess. Aktuell sind die Herausforderungen und Differenzen besonders groß – aber: internationale Kooperation ist auch der einzige Weg, eine elementare Krise wie den Klimawandel zu bewältigen.
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Autor: Philipp Brandstädter
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.