Maximal drei Zentimeter hoch, dicht gewachsen, gleichmäßig und eben – die FIFA stellt hohe Anforderungen an den Rasen in einem WM-Stadion, damit der Ball optimal rollt und die Spieler sich nicht verletzen. Sogenannte Greenkeeper kümmern sich hauptberuflich um den perfekten Stadionrasen und auch so mancher Gartenbesitzer träumt vom eigenen Profirasen. Doch was macht die intensive Rasenpflege mit der Artenvielfalt?
Ein Fußballrasen wird fast täglich gemäht, damit er immer gleich lang ist. Um den Verlust der abgeschnittenen Halme auszugleichen, bildet das Gras viele Seitentriebe. Der Rasen wird dadurch zu einem dichten grünen Teppich und braucht viel Dünger, Wasser, Licht und Wärme. Wo ein Stadiondach Schatten auf die Rasenfläche wirft, wird mit Kunstlicht nachgeholfen, damit das Gras überall gleich intensiv wächst.
In Fußballrasen werden kleine Löcher gestanzt, damit die Wurzeln besser mit Sauerstoff versorgt werden. Durch die Löcher läuft außerdem das Regenwasser besser ab. Moos, Filz und abgestorbene Pflanzenreste zwischen den Halmen werden mit Spezialmaschinen entfernt.
Ein Stadionrasen besteht nur aus wenigen Grasarten, er ist eine klassische Monokultur. Greenkeeper kontrollieren die Nährstoffversorgung, die Feuchtigkeit und die Wurzeltemperatur des Rasens. Wenn es zu kalt ist, wird die Rasenheizung angestellt. So gibt es auch mitten im Winter grünen Rasen und die Spielfläche kann nicht vereisen. Kurz: Ein Fußballplatz ist wie eine Intensivstation für Rasen.
Der Boden lebt
Wenn man das alles weiß, ist es erstaunlich, dass auch ein Stadionrasen ein Ökosystem ist. Er ist oft „lebendiger“, als er aussieht, vor allem im Untergrund ist einiges los: Regenwürmer lockern den Boden auf und mischen organisches Material ein. Springschwänze und Milben zerkleinern abgestorbene Pflanzenreste. Bakterien und Pilze zersetzen sie anschließend und wandeln sie in Nährstoffe um, die den Gräsern wieder zur Verfügung stehen. Winzige Fadenwürmer ernähren sich wiederum von Bakterien oder Pilzen und helfen dadurch, das biologische Gleichgewicht im Boden aufrechtzuerhalten.
Keine Blüten, keine Hummeln
An der Oberfläche von Spielfeldrasen findet man allerdings nur wenige Lebewesen wie Fliegen, Mücken, kleine Käfer und Spinnen. Es fehlt an Versteckmöglichkeiten und Nahrungsvielfalt. Durch das ständige Mähen können die Gräser nie blühen und Wildkräuter werden konsequent entfernt. Das macht den Rasen uninteressant für nektarsammelnde Insekten wie Wildbienen, Hummeln oder Schmetterlinge.
Was ist auf der Wiese anders?
Wenn Hobbygärtnerinnen es nicht verhindern, entwickelt sich jeder Rasen mit der Zeit zu einer Wiese. Das Gras wächst kniehoch, blüht und bildet Samen. Zwischen den Gräsern siedeln sich Wildkräuter und Blumen an. Besonders bekannt sind Gänseblümchen, Klee, Löwenzahn und Margeriten. Aber auch viele unbekanntere Pflanzenarten siedeln sich an – wie zum Beispiel der gelb blühende Wiesen-Bocksbart, die purpurfarbene Kartäusernelke oder die Wilde Möhre. Wiesen bieten Verstecke, Nistplätze und Nahrung für zahlreiche kleine Tiere und gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Auf dem Boden leben Spinnen, Ameisen, Käfer, Schnecken oder auch Frösche und Eidechsen. Auf den Blättern und Stängeln sind Grashüpfer, Käfer, Wanzen und Raupen zu Hause. Die Blüten ziehen Schmetterlinge und Bienen an. Libellen, Hornissen, Fledermäuse, Igel und Vögel jagen auf der Wiese Insekten.
Im Wiesenboden finden sich die gleichen Lebewesen wie im Stadionrasen, jedoch in einer größeren Vielfalt. Anders als auf dem Fußballplatz können sich hier auch Larven von Insekten entwickeln und Mäuse, Erdhummeln und Maulwürfe bauen ihre Höhlen.
Damit eine Wiese eine Wiese bleibt, muss sie von Weidetieren abgegrast oder ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden (erst nach der Blüte!). Wenn das nicht geschieht, siedeln sich Sträucher und Bäume an und die Wiese wird auf Dauer zu einem Wald.
Die Lösung: Das eine tun und das andere nicht lassen
Für viele Zwecke, vor allem zum Spielen und In-der-Sonne-Liegen, ist eine kurz geschnittene Rasenfläche toll. Wenn es allerdings um Biodiversität geht, gewinnt die Wiese ganz klar gegenüber dem Rasen. Zum Glück sind fast immer Kompromisse möglich. Wer in seinem Garten nicht ganz auf eine Rasenfläche verzichten möchte, könnte einen Blührasen mit Gänseblümchen oder einen Blumenkräuterrasen anlegen. Die Fläche ist dann nicht ganz so „perfekt“ wie im Stadion kann aber trotzdem wie ein Rasen genutzt werden.
Eine andere Möglichkeit ist, die vorhandene Fläche aufzuteilen und sowohl einen Rasen als auch eine Wiese zu haben. Zum Beispiel können Blühinseln im Rasen stehen bleiben, die erst nach der Blüte gemäht werden. Oder umgekehrt kann man in einer blühenden Wiese „Raseninseln“ anlegen und regelmäßig mähen.
Die Gestaltungsmöglichkeiten sind groß und gleichzeitig auch die Chancen, den Verlust von Biodiversität zu verringern und dazu beizutragen, SDG 15 zu erreichen.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft zählt auf dem Rasen aber vor allem eines: Der Ball muss ins Tor rollen. 😉
Für mehr Inspiration und Anregungen, folge uns auf Instagram @17Ziele.de
Dieser Artikel wurde vom Redaktionsbüro SINNTHESE verfasst und am 10. Juni 2026 veröffentlicht.
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.