10 Jahre 17 Ziele: Wo stehen wir?
Die Welt soll ein besserer und gerechterer Ort für alle Menschen werden – das ist die große Idee, als die Vereinten Nationen vor zehn Jahren die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschieden. Was wurde erreicht? Wo hakt es? Und warum stehen sich manche Ziele gegenseitig im Weg?
2015 hat die Weltgemeinschaft zusammen einen großen Schritt gewagt und 17 Ziele formuliert, die sie innerhalb von 15 Jahren erreichen will. Es sind ambitionierte Pläne, die alle Bereiche von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft direkt betreffen – von Müll und Recycling über gerechten Handel bis hin zum Ende von Armut und Hunger.
Jedes Land der Welt muss seitdem seine Politik daran messen lassen, ob sie dabei hilft, diese Ziele zu erreichen. An zahlreichen Daten wird gemessen, wie es läuft.
Schleppende Umsetzung
Und es läuft durchwachsen. Nur 18 Prozent der gesetzten Ziele wurden entweder bereits erreicht oder sind auf einem guten Weg. Bei etwa der Hälfte passiert etwas, aber es geht zu langsam, um die Ziele bis 2030 zu erreichen. Und bei weiteren 18 Prozent ist die Entwicklung sogar gegenläufig, die Situation verschlechtert sich also.
| Erfolge: Extreme Armut hat global abgenommen. Über die Hälfte der Weltbevölkerung ist auf irgendeine Weise sozial abgesichert. Neue HIV-Infektionen sind seit 2010 um 40 Prozent zurückgegangen. Weniger Mütter sind bei der Geburt und weniger Kinder sind vor ihrem fünften Geburtstag gestorben. Es gehen 110 Millionen Kinder und Jugendliche mehr zur Schule als noch 2015 und immer mehr von ihnen erreichen auch Abschlüsse. |
Rückschläge: Jeder zwölfte Mensch lebt mit Hunger, Milliarden haben immer noch keinen Zugang zu saubererem Trinkwasser, grundlegender Hygiene und Toiletten. Konflikte und Kriege entstehen häufiger und dauern länger; mit dramatischen Folgen für die betroffenen Menschen. Der Kampf gegen den Klimawandel ist ins Stocken geraten, während die Temperaturen bereits steigen und die Schäden zunehmen. Gleichzeitig lähmen die Zinszahlungen für Schulden viele Länder finanziell und verhindern notwendige Investitionen. |
Ziele ergänzen und widersprechen sich
Im besten Fall führt eine positive Veränderung in einem Bereich auch zu Fortschritt bei anderen Zielen. So führt mehr Bildung (Ziel 4) zu besseren Berufschancen und besserer Bezahlung (Keine Armut, Ziel 1), die dann für ausgewogenes Essen reicht (Ziel 2). Gleichzeitig verbessert es die Gesundheitskompetenz (Ziel 3) und ist für Mädchen eine Voraussetzung für mehr Gleichberechtigung (Ziel 5).
In anderen Fällen können Ziele sich widersprechen: So kann ein hohes Wirtschaftswachstum (Ziel 8) konsequentem Klimaschutz (Ziel 13) und dem Schutz von Land (Ziel 15) und Ozeanen (Ziel 14) entgegenstehen. Ein Beispiel: Gerade erst hat die Bundesregierung sich dafür eingesetzt, das klimapolitisch sinnvolle Aus der Verbrenner-Motoren zu stoppen. Sie könnte hierbei aber mit Ziel 8 argumentieren. Denn sie schützt so die wirtschaftlich wichtige Autoindustrie und die Arbeitsplätze dort.
Probleme werden verschoben
Meistens wirken sich Klimaschutzmaßnahmen allerdings positiv auf andere Ziele aus. Das ist bei 76 Prozent so, stellt eine Studie fest. Nur 24 Prozent der Wechselwirkungen sind negativ – dann widersprechen sich Klimaschutzmaßnahmen und andere Ziele der Agenda 2030 (das ist der offizielle Name der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung).2
Es gibt nicht nur Wechselwirkungen zwischen den Zielen, sondern auch zwischen Ländern weltweit. Wenn reiche Länder nachhaltiger werden wollen, der Konsum sich aber nicht ändert, verschieben sich Probleme manchmal nur. Zum Beispiel, wenn reiche Länder strengere Umweltauflagen einführen und Unternehmen dann ihre CO₂-intensive Produktion in Länder mit schwächeren Regeln verlagern.
17 Ziele bleiben wichtig
Widersprüche und Rückschläge: Auch deshalb werden die 17 Ziele oft entweder als überambitioniert oder als zu vage abgeschrieben.
Eine Welt ohne Hunger und Armut klingt im ersten Moment zu schön, um wahr werden zu können. Entscheidend ist: Es wäre möglich. Mit dem, was uns auf der Welt zur Verfügung steht, müsste kein Mensch hungern oder in Armut leben – wenn es entsprechend verteilt wird. Dasselbe gilt für alle anderen der Ziele.
Die Agenda 2030 ist deshalb mehr als eine lose Vision, die eine grobe Richtung vorgibt. Es sind klare Verpflichtungen und es gibt konkrete Ideen, wie sie erreicht werden können.
Globaler Zusammenhalt nötig
Für die am wenigsten entwickelten Länder sind die nachhaltigen Entwicklungsziele besonders wichtig – würden die konsequent verfolgt, könnte sich der Lebensstandard dort für Millionen Menschen verbessern. Ihnen fehlt aber die Macht und das Geld, um das selbst in die Hand zu nehmen. Sie sind deshalb oft dazu verdammt, sich auf das wackelige Engagement von reichen Ländern zu verlassen.
Es ist das Grunddilemma der Vereinten Nationen: Kommen die Staaten der Welt zusammen, sind sie eine einzigartige und mächtige Kraft für globalen Wandel. Gibt es gar keinen Konsens, werden sie zum zahnlosen Papiertiger.
„Koalition der Willigen“
Dieses Problem wird auf der Klimakonferenz in Brasilien deutlich: Viele arme Länder, die überdurchschnittlich von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, wollten dringend handeln. Aber: Am Ende stellte sich eine Koalition aus Öl- und Gasstaaten gegen echten Klimaschutz.
"Es braucht jetzt mehr denn je eine Koalition der Willigen“ so Wolfgang Obergassel vom Wuppertal Institut.
Soll heißen: Selbst, wenn wichtige Länder wie die USA und Russland ihre internationale Verantwortung nicht wahrnehmen wollen, muss die Arbeit weitergehen. Es gibt noch viele Länder, die entschieden hinter der Agenda 2030 stehen und zusammen viel erreichen können.
Keine Zeit zu zögern
Zur Wahrheit gehört aber auch: Einige der 17 Ziele können bis 2030 voraussichtlich nicht mehr erreicht werden. Das ist kein Grund aufzugeben, sondern besonders entschlossen weiterzuarbeiten. Es bleiben noch fünf Jahre, um den Zielen möglichst nah zu kommen.
Jeder Schritt in die richtige Richtung verändert dabei ganz real das Leben von Menschen - und Entwicklung hört nicht im Jahr 2030 auf.
Autor: Philipp Brandstädter
Klimaschutz, fairer Handel, Flucht und Migration sind Themen, die uns alle angehen. Unser Lebensstil und unsere Art zu wirtschaften haben unmittelbare, globale Folgen. Daher haben sich die Vereinten Nationen (UN) 2015 zusammengetan und die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen. Damit sollen Zivilbevölkerung, politische und wirtschaftliche Akteure zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.
Die Bildungskampagne #17Ziele verknüpft die Kernbotschaften der Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Deutschen Zivilbevölkerung und inspiriert durch optimistische und positive Kommunikation zu sozialem, ökologischem und ökonomischen Engagement und Handeln.